Seiten

Posts mit dem Label Illustrationen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Illustrationen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 25. August 2024

Im Märchenreich - Illustrationen von Dörte Helm

 



Dörte Helm, eigentlich Dorothea Amalie Helm, geboren am 3. Dezember 1898 in Berlin-Wilmersdorf; gestorben am 24. Februar 1941 in Hamburg, Malerin, Grafikerin, Bauhaus-Künstlerin. Sie studierte 1918/1919 an der Hochschule der Bildenden Künste Weimar in der Grafikklasse bei Walther Klemm. 1919 folgte der Wechsel an das Staatliche Bauhaus Weimar als Lehrling in der Wandmalerei- und Textilwerkstatt. Ab 1933 wurde sie durch das Reichskulturkammergesetz als „Halbjüdin“ mit Berufsverbot belegt, sie konnte nun nur noch schriftstellerisch (teils unter Pseudonym) tätig sein. Im Februar 1941 erlag sie einer Infektionskrankheit.

1921 veröffentlichte sie das Kinderbuch Im Märchenreich, dort illustrierte sie Verse ihres Vaters Rudolf Helm. Für mich, als märchenaffiner Mensch, sind ihre Illustrationen sehr ansprechend, nicht so überkitscht, und doch märchenhaft. Daher stelle ich hier einige davon vor:
















Sonntag, 3. März 2024

Aus: Buch der erfüllten Wünsche von Tom Seidmann-Freud

 



Aus: Buch der erfüllten Wünsche von Tom Seidmann-Freud


Tom Seidmann-Freud wurde am 17. November 1892 in wien als Martha Gertrud Freud geboren. Ihre Mutter Maria (Mitzi) Freud war eine Schwester des Psychoanalytikers Sigmund Freud. Im Alter von 15 Jahren nahm sie den männlichen Vornamen Tom an und nannte sich Tom Freud. Sie besuchte nach dem Schulabschluss eine Kunstschule in London und widmete sich Bilderbüchern im Jugendstil. Erste Erfolge stellten sich ab 1914 mit eigenen Veröffentlichungen ein.

Von 1918 bis 1920 lebte sie in München. Im Jahr 1920 lernte sie den Schriftsteller Jakob (Jankew) Seidmann kennen, die beiden heirateten 1922 und gründeten den Peregrin-Verlag, in dem auch ihr bekanntestes Werk 1923 erschien, das Bilderbuch Die Fischreise. Die Illustrationen in diesem Buch weisen Stilelemente von Neuer Sachlichkeit und Expressionismus auf. Geschildert wird der Traum eines Jungen: Peregrin, das ist der Ausländer, der Fremde, der Bürger zweiter Klasse. Peregrin träumt von einem Fisch, der ihn in eine Traumwelt bringt. „Es spricht der Fisch: Komm mit, die Welt ist weit und viele Ufer sind!“ Peregrin landet so in einer paradiesischen Traumwelt, in der alles so ist, wie es sein soll: „Dies Land ist das beste, das ich mir denken kann, es sind die Tage Feste, die Welt ist da sehr eben, und hell ist es zu leben von nun und immer an!“ Dieses Buch widmete sie ihrem jüngeren Bruder Theodor, der im Alter von siebzehn Jahren beim Baden ertrank.

Illustration aus Die Fischreise

Weitere Bücher von ihr sind unter anderem Buch der Hasengeschichten (Peregrin 1924), Das Wunderhaus - Ein Bilderbuch zum Drehen, Bewegen und Verwandeln (Herbert Stauffer, Berlin 1927), Das Zauberboot (Herbert Stauffer, Berlin 1929), Buch der erfüllten Wünsche (Müller & Kiepenheuer, Potsdam 1929). Das Wunderhaus und Das Zauberboot wurden Bestseller mit hohen Auflagen. Mit diesen Büchern nahm Freud die Idee der Verwandlungs- und Kulissenbücher des 19. Jahrhunderts wieder auf und entwickelte sie weiter. Mit dem Machtantritt der Nazis gelangten ihre Bücher auf den Index.

Während der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 ging der Peregrin-Verlag bankrott, und Jankew Seidmann nahm sich das Leben. Tom Seidmann-Freud erkrankte daraufhin an einer schweren Depression, von der sie sich nicht mehr erholte. Am 7. Februar 1930 starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten. Ihre Mutter Marie wurde 1942 von Wien nach Treblinka deportiert und dort ein Opfer des Holocaust.

Hier nun einige Seiten aus ihrem Buch der erfüllten Wünsche: 



Karls Zeichnung

„KARL, KARL, KARL,
SETZ DICH HIN UND MAL!“

Karl malt ein Haus mit Fahnenstangen,
ein Kind mit Flecken auf den Wangen,
einen Garten, einen Zaun,
einen Hund, besonders böse anzuschaun,
und oben links noch eine bunte Kuh,
dann klappt er seinen Farbenkasten zu.

Auf einmal wird das Ganze ganz lebendig,
im Hause raschelt es inwendig,
und aus dem Fenster schaut und nickt die Frau.
Die Fahnen flattern in dem Himmelblau,
unruhig läuft der Hund im Bild herum,
die Kuh frisst Gras und macht ein groß Gebrumm.
Das Kind mit seinen roten Wangen
hat eben erst zu spielen angefangen,
es trudelt seinen Reifen, wirft den Ball.
Da öffnet sich die Haustür auf einmal,
es kommt ein zweites Kind herausgelaufen,
mit einem Körbchen, um was einzukaufen,
ein Kätzchen blickt verstohlen um die Ecke,
und eine Ziege knabbert an der Hecke.
Von links kommt auch ein Wagen angefahren.
- VIER DINGE, DIE NOCH NICHT GEZEICHNET WAREN!

„KARL, KARL, KARL,
SETZ DICH HIN UND MAL!“




Das Haus in der Mitte der Stadt

In diesem Hause im Herzen der Stadt
wohnen nur Kinder ganz für sich allein.
Vorne grenzt das Haus an die Straße,
aber der Garten hinter dem Haus geht so weit,
daß kein Kind noch sein Ende gefunden hat.
Im Garten ist ein Sandhügel,
im Garten ist ein runder Teich mit Schiffen,
im Garten ist ein Spielplatz mit Schaukeln und Turngeräten und Wippen.
Da ist ein Ziegenwagen, in dem die Kinder kutschieren.
Bei den Beeten stehen Gießkanne, Harke und Schaufel.
Hund und Katze und kleine Kätzchen wohnen im Hofe.
Das Haus hat viele Balkone
und Zimmer mit Spielzeug
und Zimmer mit Musikinstrumenten.
Aber vorne grenzt es an die Straße:
man kann gehen und seine Mutter besuchen
und sehen, wie sie am Fenster sitzt, Ausschau hält
und die Strümpfe und Höschen flickt,
die beim Spielen zerrissen sind.





Gabriel wird ein Eichhörnchen

Zur Belohnung für Geduld und gute Taten
wurde Gabriel ein EICHHÖRNCHEN.
Und nun wohnt er in dem Fichtenwalde,
pflegt sein Herz mit Eichelnüßchen und mit Fichtenzapfen,
schwingt sich froh von einem Ast zum andern,
seinen Buschelschwanz als Steuer nutzend.

Nur vor FÜCHSEN, ILTIS, FALKEN, EULEN
hat er sich in acht zu nehmen,
und die Nahrung muß er selbst beschaffen,
für den Winter was zusammenraffen;
denn im Walde kann man gar nichts kaufen,
keine Milch und keinen Kuchen.
Gabriel muß in die Felder laufen
und die vollen Ähren suchen.
Gabriel muß ganz verstohlen
sich die Früchte von den Bäumen holen,
ihrer süßen Kerne wegen.
Danach kann er nestwärts flitzen,
schaukelnd in der Sonne sitzen
und sich Fell und Pfötchen pflegen.



Die Raumfahrt

Robert hat ein Schiff gebaut,
mit dem kann er im Weltraum fliegen,
schon sieht er Mond und Sonne liegen,
und Sterne mit Ringen und kleinen Trabanten.

Des Mondes Täler sind wie ein Gesicht,
da fürchtet sich der Robert nicht,
er fährt sehr dicht an ihn heran
und schaut sich ihn von der Nähe an.
Manche Sterne sind dunkel, manche licht,
die Landschaft ist zum Verwundern,
die Bäume erkennt er als Bäume nicht,
und Berg und Bach und Meer und Sand
sind anders, als er zu Haus gekannt.


Bei der Staatsbibliothek Berlin ist das Werk digitalisiert, hier der link dazu: 

Auf dem Blog Yupedia - Fußnoten zur Geschichte ist ein sehr guter Artikel zu der Autorin zu finden: 

Dienstag, 19. September 2023

Die wundersame Welt des John Elsas, 2. Teil

 

John Elsas um 1929


John (eigentlich: Jonas Mayer) Elsas, geboren am 6. Juli 1851 in Frankfurt am Main; gestorben am 5.Juni 1935 ebendort, brachte ein Berufsleben als Kaufmann und Börsenmakler hinter sich und begann erst 1927, im Alter von 76 Jahren, mit seiner intensiven Arbeit als Bildender Künstler. Eines seiner Aquarelle versah er 1930 mit dem Text: „Mein ganzes Leben war ein Fehler / da wurd ich Maler und Erzähler“. Elsas’ umfangreiches Œuvre wurde um 1930 von der Kritik anerkennend besprochen; danach geriet es für rund 70 Jahre in Vergessenheit. Tochter Irma ordnete und verpackte den umfangreichen künstlerischen Nachlass. Von den Nationalsozialisten wurde ihr Vermögen konfisziert, der Grundbesitz „arisiert“. Sie lebte in Frankfurt zuletzt in einem so genannten „Judenhaus“, bevor sie am 18. August 1942 in das Durchgangs- und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde; dort starb sie am 1. Mai 1944.

Aufmerksam auf den Künstler wurde ich durch einen Artikel des Jüdischen Museums Frankfurt anlässlich des Todestages am 5. Juni dieses Jahres. Ich war sozusagen sofort „schockverliebt“ sowohl in die künstlerischen Darstellungen, als auch in die gereimten Sinnsprüche, welche die Darstellungen begleiten. Beides von herzerfrischender Einfachheit. Ich bin wohl nicht als einziger der Faszination von John Elsas´ Kunst erlegen:

Der Kunstwissenschaftler Max Osborn schrieb in der „Vossischen Zeitung“ vom 16. Januar 1930: „..Im ‚Sturm’ (einer damals prominenten Berliner Galerie), bei Herwarth Walden, sieht man etwas ungemein Amüsantes: Klebebildchen von einem lebensfröhlichen alten Herrn in Süddeutschland, John Elsas genannt.

[… In diese Art, Buntpapiere, schimmernde Reste von irgendeiner Kartonhülle und dergleichen aneinanderzufügen, auch Aquarelltöne dazwischenzupinseln, steckt eine so reiche Phantasie, dass man Blatt um Blatt mit Lust betrachtet...“.

Gegen Ende der 1920er Jahre erregten seine Arbeiten in den Galerien verschiedener deutscher Städte sowie in Paris und Zürich wohlwollendes Interesse, was seine ohnehin ungewöhnliche Produktivität noch steigerte – seine letzten, 1935 von Irma Elsas verpackten Blätter trugen die Nummern 25 000 – 25 025.

Hier eine kleine Auswahl:




Selbst ein König
wird sich bücken,
spürte er Schmerz
in seinem Rücken




Es ist das grüne Kleid
mein Leben,
denn Hoffnung soll
mich stets umgeben




Geh ich aus mit dem Regenschirm
so ist immer der Schirm mein Retter
weil er mir bringt
das schönste Wetter.




Es läuft der Mensch durch´s Leben rasch
und denkt dabei an seine Tasch.





Es ist die Eintracht
hoch gepriesen,
auf Nachsicht
sind wir angewiesen.




Sagt man schöne Frau
und feiner Mann
kommt es immer auf die
Betonung an.





Reisen die Bilder
über die Schweiz,
erst dann erhalten sie
den Reiz.




Was alle Leute meinen,
das darfst du glatt verneinen.



Weil ich ein großer
Schuldner bin,
da kann ich wirklich prahlen,
da müssen meine Gläubiger
mir immer weiter zahlen.



Hier zeig ich Dir
ein Zukunftswesen,
es kann jedem
aus den Augen lesen.





Die Hülle war die Not und Pein,
ich darf jetzt ohne Hülle sein.
Ich mein, dass ein Gedenkstein
müsste immer freudig sein.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Die wundersame Welt des John Elsas

 

John Elsas 1929


John (eigentlich: Jonas Mayer) Elsas, geboren am 6. Juli 1851 in Frankfurt am Main; gestorben am 5.Juni 1935 ebendort, brachte ein Berufsleben als Kaufmann und Börsenmakler hinter sich und begann erst 1927, im Alter von 76 Jahren, mit seiner intensiven Arbeit als Bildender Künstler. Eines seiner Aquarelle versah er 1930 mit dem Text: „Mein ganzes Leben war ein Fehler / da wurd ich Maler und Erzähler“. Elsas’ umfangreiches Œuvre wurde um 1930 von der Kritik anerkennend besprochen; danach geriet es für rund 70 Jahre in Vergessenheit. Tochter Irma ordnete und verpackte den umfangreichen künstlerischen Nachlass. Von den Nationalsozialisten wurde ihr Vermögen konfisziert, der Grundbesitz „arisiert“. Sie lebte in Frankfurt zuletzt in einem so genannten „Judenhaus“, bevor sie am 18. August 1942 in das Durchgangs- und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde; dort starb sie am 1. Mai 1944.

Aufmerksam auf den Künstler wurde ich durch einen Artikel des Jüdischen Museums Frankfurt anlässlich des Todestages am 5. Juni dieses Jahres. Ich war sozusagen sofort „schockverliebt“ sowohl in die künstlerischen Darstellungen, als auch in die gereimten Sinnsprüche, welche die Darstellungen begleiten. Beides von herzerfrischender Einfachheit. Ich bin wohl nicht als einziger der Faszination von John Elsas´ Kunst erlegen:

Der Kunstwissenschaftler Max Osborn schrieb in der „Vossischen Zeitung“ vom 16. Januar 1930: „..Im ‚Sturm’ (einer damals prominenten Berliner Galerie), bei Herwarth Walden, sieht man etwas ungemein Amüsantes: Klebebildchen von einem lebensfröhlichen alten Herrn in Süddeutschland, John Elsas genannt.

[… In diese Art, Buntpapiere, schimmernde Reste von irgendeiner Kartonhülle und dergleichen aneinanderzufügen, auch Aquarelltöne dazwischenzupinseln, steckt eine so reiche Phantasie, dass man Blatt um Blatt mit Lust betrachtet...“.

Gegen Ende der 1920er Jahre erregten seine Arbeiten in den Galerien verschiedener deutscher Städte sowie in Paris und Zürich wohlwollendes Interesse, was seine ohnehin ungewöhnliche Produktivität noch steigerte – seine letzten, 1935 von Irma Elsas verpackten Blätter trugen die Nummern 25 000 – 25 025.

Hier eine kleine Auswahl:




Ich werde schwere Zeiten sehen,
die werden auch vorüber gehen.




Man verwechselt in jedem Land
das Wörtchen Glück
mit dem Worte Verstand.





Das Glück zu Dir ist sprungbereit,
nachdem Du hattest großes Leid.




Denket nicht an dummes Zeug,
Gottes Reben trösten Euch.




Man kann bei mir die Kunst nicht sehn,
doch Einfachheit ist immer schön.


                 

Wenn die Körper sind geschwunden
werden ihre Geister
mit den Lebenden verbunden.




Wer nicht lieben
und sich begeistern kann,
der ist und bleibt ein armer Mann.





Erscheinung ist doch alles nur,
die Phantasie ist die Natur.




Ist man stets von Liebe umgeben,
so führt man ein Götterleben.




Ich liebe meine Sorgen sehr
denn wenn ich keine Sorgen hätt´
würde leben ich nicht mehr.




Beachte den Sinn der Farben nur,
durch Farben wirkt die Weltnatur.




Weil da ist mein Körper schön,
freue ich mich,
mich selbst zu sehn.




Am Apfelbaum, am Apfelbaum,
begann der schönste Liebestraum
und würd der Apfelbaum nicht sein
gäb´s keinen süßen Apfelwein,
zu trinken sind wir ihn bereit,
es lebe hoch die bessere Zeit!

Heinrich Vogeler: An den Frühling

 


An den Frühling von 1899 ist ein Mappenwerk mit 10 Radierungen. Gedruckt wurde sie von Otto Felsing, Berlin, erschienen ist sie im Insel Verlag, bei Schuster & Löffler. Die Radierungen sind eine locker verbundene Folge von landschaftlichen Motiven rund um den Barkenhoff in Worpswede, einem Tag von den Morgen in den Abend folgend. Die 10 Grafiken tragen die Titel „Die Lerche“, „Frühlingsmorgen“, „Um Mittag“, „Frühlingsblumen“, „Froschbraut“, „Der Fischer“, „Storch überm Weiher“, „Vor Feierabend“, „Die Amsel“, „Märznacht“.





















Heinrich Vogeler, geboren am 12. Dezember 1872 in Bremen; gestorben am 14. Juni 1942 im Kolchos Budjonny bei Kornejewka, Maler, Grafiker, Architekt, Designer, Pädagoge, Schriftsteller und Sozialist. Der vielseitig begabte Künstler ist besonders durch seine Werke aus der Jugendstilzeit bekannt geworden. Er gehört zur ersten Generation der Künstlerkolonie Worpswede, sein Wohnhaus, der Barkenhoff, wurde Anfang der 1900er Jahre zum Mittelpunkt der künstlerischen Bewegung.