„Wir
brauchen einander. Dies einzusehen ist die Grundlage für eine
friedliche Weltordnung unter uns Menschen und mit unseren
Mitlebewesen im Mineralien-, Pflanzen- und Tierreich. Frieden kann es
nur dann geben, wenn wir in Frieden mit der Natur leben. Der Mensch
der Zukunft wird im Einklang mit der Schöpfung leben müssen, wenn
er überleben will“ Gusto
Gräser, geboren am 16. 2. 1879 in Kronstadt, Siebenbürgen war
Künstler, Dichter, konsequenter Aussteiger, Pazifist, Wanderer,
Urhippie.
Sein
Bruder Karl war Mitbegründer einer der ersten Aussteigerkommunen,
die im Herbst 1900 in der Nähe von Ascona (Schweiz) entstand, dem
Monte Verità. Auch Gusto zog in diese Kommune, die er jedoch nach
kurzer Zeit wieder verließ, um am Monte Verità als Einsiedler in
einer Höhle zu leben.
Hermann
Hesse lernte Gräser um 1900 kennen; dessen Gestalt und Denken wird
schon in „Camenzid“ sichtbar. Im Frühjahr 1907 folgte der
Dichter seinem "Freund und Führer" auf den Monte Verità,
lebte mit ihm zusammen in einer Grotte der Südalpen, versuchte sich
wochenlang, fastend und nacktlaufend, als Einsiedler in den Felsen.
Zwar scheiterte dieses erste "Noviziat" an seiner eigenen
Schwäche, doch nach zehnjähriger Entfremdung kehrte Hesse 1916
reumütig in die Arme des Freundes zurück. Im Zusammensein mit ihm
erfuhr er eine seelische Wiedergeburt, die große Wandlung seines
Lebens. In Gräser erlebte er den Führer zum eigenen Selbst, in
dessen Frau Elisabeth ein Abbild der Großen Mutter.
Der
ehemalige Kriegsfreiwillige wandelte sich jetzt zum entschiedenen
Kriegsgegner und Vorkämpfer der Gewaltlosigkeit. Im zweiten Teil des
„Demian“ hat er seine Erfahrungen dichterisch gestaltet, in
Essays und Aufrufen seine neue Gesinnung dargetan.
Gusto
Gräser lehnte den Kriegsdienst zum ersten Weltkrieg konsequent ab.
Im Herbst 1915 aus Deutschland ausgewiesen, verweigert er in
Österreich den Dienst an der Waffe, wird zur Erschießung verurteilt
(die mit Platzpatronen vollzogen wird), landet für drei Monate als
"asoziales Element" in der Irrenanstalt, um dann wieder in
seine Höhle am Monte Verità zurück zu kehren.
1920
zog er mit einer „Neuen Schar“ aus jungen Männern und Frauen
singend, tanzend und spielend durch Thüringen. (Diese "Junge
Schar" wurde zur Blaupause für Hermann Hesses Erzählung
"Morgenlandfahrt").
Zum
zweiten Mal aus Bayern ausgewiesen, kam er 1927 nach Berlin, wo er im
Anti-Kriegsmuseum von Ernst Friedrich arbeitete und lange Reihen von
„Öffentlichen Gesprächen“ am Alexanderplatz abhielt.
Von
Berlin aus zog er in einem Eselwagen mit seinem Schwiegersohn Otto
Großöhmig durch Deutschland, seine Schriften verteilend und
verkaufend. Die Fahrt im Eselwagen endete für Großöhmig nach der
NS-Machtübernahme 1933 im Konzentrationslager. Nachdem Gräser
selbst von den Nazis mehrfach verhaftet und mit Schreibverbot belegt
worden war, wurde ihm der Boden in Berlin zu heiß. 1940 verkaufte er
sein Wohnboot auf dem Seddinsee nahe Grünau und flüchtete nach
München, wo er in den Dachkammern von befreundeten Professoren die
Jahre des Terrors überstand, am Ende halbverhungert. In dieser Zeit
entstanden seine späten Hauptwerke, das Siebenmahl und das an
Stuttgart adressierte Brieflein Wunderbar. Er starb 1958 völlig
vereinsamt und unbemerkt im Münchner Stadtteil Freimann.
Für
mich ist Gusto Gräser ein Vorbild an Konsequenz und Einstehen für
das eigene Denken, Handeln und Leben. Es gäbe noch so viel zu
erzählen über ihn. Dankenswerterweise gibt es im Netz eine Seite
über ihn. Zum Stöbern und Weiterlesen empfohlen: Gusto Gräser Info
"Erst wo wir hinter dem Grauen,
zum grünen Walde gesellt,
die Gärten, die Hütten bauen.
Bildung und Wildung trauen -
da erst tritt der Mensch
in die Welt!"
Das
Foto zeigt Gusto Gräser 1945 in München