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Sonntag, 30. August 2026

Deutungen: 28. und 29. August



28. August

Lebenskunst: Zulassen, dass die Dinge sich selbstständig machen. Sich eingestehen, dass das eigene Handeln im Einklang mit der Zeitenergie passiert, und dass das eigene Einwirken auf die Zeitläufe gering ist. „Life is what happens to you while you're busy making other plans. - Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon)

Heute um etwa 4:30 Uhr trat der Mond in den Kernschatten der Erde ein - Mondfinsteris bei Vollmond, dem Erntemond. Sie war nicht sichtbar, da der Himmel bedeckt war. Doch so oder so, ich hätte sie verschlafen. Jedoch habe ich dieses Ereignis zum Anlass genommen, ein weiteres I-Ging-Orakel mittels meiner Schafgarbenstengel zu ziehen. Wieder unspezifisch, ohne konkrete Frage außer der nach der Zeitenergie. Wichtige Entscheidungen liegen nicht an, und wenn, könnte ich sie auch treffen, ohne das Orakel zu befragen. Darum geht es mir nicht. In der Welt zündeln gerade wieder die Patriarchen und Oligarchen, es werden kleine Ereignisse produziert, welche sich durchaus zu etwas Größerem ausweiten können. Hier eine kleine Grenzverletzung, da eine Drohung, verklausuliert doch unverhohlen, der eine Präsident versucht mit Zöllen und Umbenennungen von Gewässern zu beeindrucken, sowie durch dumme Beleidigungen und cholerische Ausfälle; der andere schickt mal da ganz unverbindlich ein Kriegsschiff hin, in die Nähe der Küste Britanniens, weit genug, um in internationalen Gewässern zu bleiben, nah genug, um sichtbar zu sein. Auch die eine oder andere Drohne verfliegt sich, und seine Maulhelden sprechen von Atombomben. Derweil rücken Landtagswahlen immer näher, und die Schreihälse nehmen den Mund voll. Sie wollen auch ein Stückchen Oligarchie abbekommen, und schmeißen sich den großen Vorbildern dafür gerne in die Arme. Von dem, was ich meine Utopie nenne, entfernt sich das Weltgeschehen weiter und weiter, dafür wird eine Kriegsgefahr realer. Um all das zu sehen brauche ich keine Glaskugel, kein Kartenlegen und auch keine Schafgarbenstängel.

Heute habe ich einmal wieder meine Schafgarbenstängel zur Hand genommen und ausgezählt. Was mich jetzt die nächste Zeit begleiten wird ist Sun - Das Sanfte, (das Eindringliche, der Wind)

Sun ist eines der acht Doppelzeichen. Es ist die älteste Tochter, hat als Bild den Wind oder das Holz, als Eigenschaft die Sanftheit, die jedoch eindringt wie der Wind oder das Holz mit seinen Wurzeln.

Das Dunkle, das an sich starr und unbeweglich ist, wird aufgelöst durch das eindringende lichte Prinzip, dem es sich unterordnet in Sanftheit. In der Natur ist es der Wind, der die angehäuften Wolken auseinandertreibt und heitre Himmelklarheit schafft. Im Menschenleben ist es die durchdringende Klarheit des Urteils, die alle dunklen Hintergedanken zunichte macht. Im Leben der Gemeinschaft ist es der mächtige Einfluss einer bedeutenden Persönlichkeit, die alle lichtscheuen Machenschaften aufdeckt und auseinandertreibt.

Das Urteil

Das Sanfte. Durch Kleines Gelingen.
Fördernd ist es, zu haben, wohin man geht.
Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.

Eindringlichkeit erzeugt allmähliche und unscheinbare Wirkungen. Es soll nicht durch Vergewaltigung gewirkt werden, sondern durch ununterbrochene Beeinflussung. Diese Wirkungen sind weniger in die Augen fallend als die durch Überrumpelung gewonnenen, aber sie sind nachhaltiger und völliger. Damit man auf diese Weise wirken kann, muss man ein klares Ziel haben; denn nur dadurch, dass die eindringliche Beeinflussung immer in derselben Richtung wirkt, wird etwas erreicht.

Das Kleine kann nur dann etwas erreichen, wenn es sich einem bedeutenden Manne unterordnet, der die Fähigkeit besitzt, Ordnung zu schaffen.

Das Bild

Einander folgende Winde:
das Bild des sanft Eindringenden.
So verbreitet der Edle seine Gebote
und wirkt seine Geschäfte.

Das Eindringliche des Windes beruht auf seiner Unaufhörlichkeit. Dadurch wird er so machtvoll. Er nimmt die Zeit als Mittel zur Wirkung. So muss auch der Gedanke des Herrschers in die Volksseele eindringen. Auch dazu ist eine dauernde Einwirkung durch Aufklärung vonnöten. Erst wenn das Gebot in die Volksseele übergegangen ist, ist ein darauf bezügliches Handeln möglich. Unvorbereitetes Handeln schreckt nur zurück und wirkt abstoßend.
(I Ging, wieder in der Übersetzung von Richard Wilhelm).

Auch hier zeigt sich mir wieder deutlich, dass das I Ging aus einer patriarchalen Herrscherumgebung stammt. „So muss auch der Gedanke des Herrschers in die Volksseele eindringen.“ Was fange ich mit einer solchen Botschaft an? Wo ich Herrscher ablehne zugunsten gewählter Delegierten einer Konsensdemokratie? Ich entsage mich des Herrschens, und ich möchte auch nicht in eine „Volksseele“ eindringen. Diese Träume haben auf unserem Planeten viel zu viele, die einen, mit dem Wunsch zu herrschen (und sich dabei gut zu bereichern), die anderen, um beherrscht zu werden in der Hoffnung, dass sie dadurch als Nutznießer etwas vom Reichtum abbekommen. Ohne weiter Aktivität als Beherrschter zu sein.

Diesen gesamten Part der Deutung schiebe ich hier einmal beiseite. Was bleibt dann? „ Das Eindringliche des Windes beruht auf seiner Unaufhörlichkeit. Dadurch wird er so machtvoll. Er nimmt die Zeit als Mittel zur Wirkung . . . Unvorbereitetes Handeln schreckt nur zurück und wirkt abstoßend.“ Dem kann ich als Handlungsmaxime etwas abgewinnen. Auch für das, was mir persönlich für die nächste Zeit bevorsteht. Und dabei zulassen, dass die Dinge sich selbstständig machen. Die Zeit der Herrscher geht zu Ende. Auch wenn es momentan nicht so aussieht. Planet Erde ist nicht beherrschbar. Ausbeutbar schon. Schändbar schon. Aber nicht beherrschbar.

Das Eindringliche des Windes beruht auf seiner Unaufhörlichkeit. Dadurch wird er so machtvoll. Er nimmt die Zeit als Mittel zur Wirkung.“ Machen wir, die wir nicht herrschen wollen, genauso. Seien wir eindringlich ohne zu überreden. Wirken wir einfach.


29. August



Es ist hilfreich, wenn man einen Sinologen im Freundeskreis hat, wenn man sich mit dem I Ging beschäftigt. By the way, ich hatte mich im ersten Anlauf vertippt, und schrieb „Sinnolge“, was auch irgendwie passend ist. Er erklärte mir, dass die Regierenden zu der Zeit, als das Buch entstand, als „Gottkönige“ beziehungsweise „Gottkaiser“ galten, als vom Himmel installierte Herrscher, deren Macht aufgrund ihrer Herkunft nicht anzweifelbar war.

Wir sprachen dann darüber, wie diametral dem mein persönliches Weltbild entgegengesetzt ist, das auf einer konkreten Utopie einer Konsensdemokratie beruht. Hier die von oben eingesetzte Macht über die Menschen und dort die von unten nach oben delegierte Handlungsvollmacht. Ich selber wähle die Handlungen, die Parteien, die meiner Utopie einer Konsensdemokratie am Nahesten kommen. Wir beide mussten da noch klären, dass ich damit nicht die direkte Demokratie meinte, wie sie zum Beispiel in Volksabstimmungen stattfindet. Im schlimmsten Fall gehen dort die Abstimmungen 49 zu 51 Prozent aus, und der Same der Unzufriedenheit ist schon wieder gelegt. Selbst wenn das Verhältnis 20 zu 80 wäre. Direkte Demokratie ist ein System das auf Gewinner und Verlierer beruht und nicht auf Sachentscheidungen, die es auszudiskutieren gilt.

Eigentlich macht es schon Sinn, jeden Menschen erst einmal nach seiner Utopie zu befragen. Danach, wie er oder sich ein gedeihliches Zusammenleben aller Menschen vorstellen. Und was sie sich unter Herrschaft vorstellen. Das Herrschen von Gottes Gnade treffen wir gerade wieder beim aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten an. Schwebend über allen Gesetzen werden Dekrete unterschrieben, und Gegner, und das sind alle Menschen, die nicht gleicher Meinung sind, werden gnadenlos beleidigt und erniedrigt. Der nächste Schritt zum Ausrotten ist da nicht weit. Im alten China wurden die Herrscher wenigsten als Weise bezeichnet. Und nicht als rüpelhafte Tölpel (obwohl das das Spiegelbild derer ist, die dem Präsidenten die Stimme gaben. Und diese verstehen die Kritik am Präsidenten nicht: „Das ist doch einer von uns, ist doch ersichtlich an seinem Handeln“.

In den Kommentaren zum I Ging (auch hier wieder in der Übersetzung von Richard Wilhelm) heißt es. „Die heiligen Weisen von alters machten das Buch der Wandlungen also: Um in geheimnisvoller Weise den lichten Göttern zu helfen, erfanden sie das Schafgarbenorakel. Sie teilten dem Himmel die Zahl drei zu und der Erde die Zahl zwei und berechneten danach die weiteren Zahlen.

Sie betrachteten die Veränderung im Dunkeln und Lichten und stellten danach die Zeichen fest, Sie erzeugten Bewegungen im Festen und Weichen und ließen so die einzelnen Linien entstehen. Sie brachten sich in Übereinstimmung mit SINN (Tao) und Leben (Te) und stellten demgemäß die Ordnung des Rechten auf. Indem sie die Ordnung der Außenwelt bis zu Ende durchdachten und das Gesetz des eignen Innern bis zum tiefsten Kern verfolgten, gelangten sie zum Verständnis des Schicksals.


Zurück zu dem von mir gezogenen Hexagramm: „Sechs auf viertem Platz bedeutet:

Reue schwindet.
Auf der Jagd fangt man drei Arten von Wild.

Wenn man angeborene Bescheidenheit infolge der verantwortungsvollen Stelle, die man bekleidet, und der Erfahrungen, die man gesammelt hat, mit energischer Betätigung verbindet, so erreicht man sicher einen großen Erfolg. Die drei Arten von Tieren dienten zu Opfern für die Götter, zur Bewirtung der Gäste und zum täglichen Gebrauch. Wenn man für alle drei Zwecke etwas erlegte, so war das Jagdergebnis besonders gut


Ich erklärte meinem Freund, dem Sinologen, dass ich das I Ging nicht im klassischen Sinn als Orakelbuch nutze, sondern versuche, damit die Zeitqualität zu ergründen, die sich für die nächsten Ereignisse vor mir ausbreitet. Ich habe dann bis zu dem nächsten Zeitpunkt, an dem ich wieder zu meinen Schafgarbenstängeln greife, einiges zum Nachsinnen. Die „Sechs auf dem vierten Platz“ ist ja durchaus eine positive Wertung der Zeitqualität. Auch wenn ich nicht jage. Ich bin eher der Sammler. Gut, dann werde ich demnächst noch einen Kräuterbuschen sammeln (wir befinden uns ja noch im Frauendreißiger*) als Opfer für die dreigestaltige Göttin, für die Bewirtung der Gäste hoffe ich Steinpilze in ausreichenden Mengen zu finden und für den täglichen Gebrauch sammle ich die Früchte, welche gerade anstehen: Zwetschgen, Äpfel, Birnen. Auch ein Vorrat anzulegen gehört dazu. So hoffe ich, dass mein Sammelergebnis besonders gut wird. Und dazu passt nun auch, dass an dem Tag, als ich das gezogen hatte ein Vollmond am Himmel stand, welcher "Erntemond" genannt wird. 


*Zum Frauendreißiger: Das heutige Datum liegt in den Tagen der so genannten Frauendreißiger, die vor allen in katholischen Gegenden traditionell ihren Stellenwert hatten. Das sind dreißig Tage, beginnend am Vorabend des 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt und endend am 15. September, dem Gedenktag der Schmerzen Mariens. In dieser Phase sollen die gesammelten Heilpflanzen besonders wirksam sein. In diesen Tagen wurde auch der Dreißigerstrauß gesammelt, der am 8. September, dem Fest der Mariä Geburt, geweiht wurde.

In den Dreißigerstrauß wurden, je nach Region, meistens sieben oder neun verschiedene Kräuter gebunden. Auch andere Zahlen waren möglich, doch diese beiden waren die häufigsten. Zu den oft verwendeten Kräutern in diesem Strauß zählten: Beifuß, Baldrian, Rainfarn, Schafgarbe, Himbeerlaub, Farnkräuter, Thymian (Quendel), Gundermann, Mutterkraut, Johanniskraut, Goldrute, Dost, Eisenkraut, Königskerze, aber auch Gartenkräuter wie Liebstöckel und Dill. Meistens bildete eine hohe, blühende Königskerze die Mitte des Straußes.

Samstag, 29. August 2026

Deutungen: 24. bis 26. August 26

 


So langsam hole ich zeitlich auf, und diese Kolumne gerät in die Echtzeit. Auch diese ist ein Gewebe aus dem Ereignendem, dem Ereignetem, und aus dem Kommenden aus dem, was sich ereignen wird. Mit jedem Wort das geschrieben wird, gerät die Gegenwart zur Vergangenheit. 


24. August

Ich bin nicht die Anlaufstelle, um Absolution zu erteilen. Wer etwas in meinen Augen Unverzeihliches getan hat, der und dem möchte ich die Tat nicht verzeihen. Wie oder wann etwas abzubüßen wäre, muss jede und jeder für sich selber entscheiden, und auch die Art der Buße. Ich bin weder Ankläger noch Richter. Das meiste an „Fehltritten“ vermag ich als lässlich verzeihen. Sowohl mir als auch anderen. „Es gibt keine Schuld, nur Ursachen“, sagt meine Liebste gerne. Ich selber möchte es eher so formulieren: „Es gibt keine Schuld, sondern nur Situationen“. Doch wie viele möchten eher bemuttert und nicht versöhnt sein. Echte Reue akzeptiere ich, und kein Reuiger soll aus einer Gemeinschaft verstoßen werden. Doch mit dem Unverzeihlichen sollte jede und jeder selbst klarkommen. Allenfalls gibt es da noch die christliche Kirche als Anlaufstelle für Absolution. Inwieweit das mit der eigenen Glaubenswilligkeit einher geht, sollte jede ud jeder für sich selbst entscheiden.

Etwas ganz anderes, ein Tagesfund, heute gelesen: "Regionale Politik findet nicht in Washington, Moskau oder in anderen ›Regierungssitzen‹ statt. Regionale Macht ›sitzt‹ nicht. Sie fließt überall und überallhin. Durch Wasserscheiden und Blutströme. Durch Nervensysteme und Nahrungsketten. Die Regionen sind überall & nirgends. Wir sind alle illegal. Wir sind Eingeborene, und wir sind ruhelos; wir besitzen kein Land, wir leben in ihm." (Gary Snyder, Lektionen der Wildnis, 2012)

Kleiner Ansporn für mich, wo ich gerade dabei bin, mich in die Lokalpolitik einzumischen. 


25. August

„Ankräutern“, mein neuer Begriff in meiner Essperimenteküche*. Damit meine ich, verschiedene Kräuter zu Gerichten verabreichen, die geschmacklich unterstützen ohne zu dominieren. Am elegantesten ist es, wenn sie als kaum wahrnehmbare Nuance fungieren. Heute wieder einmal ausprobiert, indem ich etwas Lavendelsirup an die Pflaumenmarmelade getan habe. Die Idee kam mir vorgestern, als ich die leckeren sanftsüßen Pflaumen frisch vom Baume aß. Irgendwie stellte sich bei mir die Idee „Lavendel dazu“ ein, und ich fand das eigentlich sehr sinnig und spannend. Also habe ich es kurzerhand gemacht. Wirklich nur so wenig, dass er kaum wahrnehmbar ist in der fertigen Marmelade, und doch gibt er ein leicht wahrnehmbares Hintergrundaroma. Gefällt mir. Ich habe schon häufiger Versuche in diese Richtung gestartet, wie zum Beispiel eine pikante Waldmeistersuppe auf der Basis von Hühnerbrühe und Weißwein. 


*“Essperimente“ nannte eine junge Dame aus dem Kinderkochclub, den ich damals leitete unsere Versuche, Schmackhaftes herzustellen. Die Kinder waren im Grundschulalter, und wir hatten viel zusammen ausprobiert. Das Foto zeigt Gummibären, die ich letztes Jahr mit zwei Kindern hier im Ort aus Waldmeistersirup hergestellt hatten. Warum sie so rot sind? Ich beschrieb es so: „Eigentlich wollten wir Gundermanngummibärchen herstellen, doch dann wurden es Waldmeistergummibärchen. Gummibärchen mussten sein, denn das hatte ich dem kleinen Mann, der mich Opa nennt, versprochen. Ein Glas unseres selbst hergestellten Waldmeistersirups hatte nicht richtig geschlossen, und dessen Inhalt verwendeten wir. Auf 150 ml Sirup, den wir aufkochten gaben wir 5 g Agar Agar hinzu, und, da uns die Farbe des Sirups etwas blass erschien auch noch einen Schwapp Rote-Bete-Saft. Noch einmal aufkochen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen, und in die eingeölten Silikonformen geben. So erhielten wir nach dem Festwerden Gummibärchen, die knallrot waren, doch „grün“, eben nach Waldmeister, schmeckten.“ Es gibt Dinge, die scheinen anders, als sie sind. Lehren fürs Leben.


26. August

Flow - Wie funktioniert das? Letzte Woche hatte ich Plakate drucken lassen für unsere Septemberveranstaltung. Eigentlich hatte ich vor, die ersten schon in Moringen zum Aushang zu verteilen. In der Apotheke war das Fenster voll, gar nicht erst hinein gegangen, im Supermarkt quoll das Aushangbrett über, gar nicht erst daran gedacht. Am Montag war ich Einkaufen in Moringen, hatte aber keine Plakate dabei. Doch gesehen, dass im Fenster der Apotheke wieder Platz war. Heute dann beim einkaufen welche dabei, und heute klappte alles wie am Schnürchen, eines in der Apotheke losgeworden, eines im Zigarettenladen, wo auch gerade wieder Platz frei war, eines am Aushangbrett im Supermarkt, dort in Poleposition. Es klappte heute einfach, und das war erfreulich. Manches lässt sich nicht erzwingen.

Als ich noch in einem Dorf in der Nähe von Bremerhaven wohnte, und mal wieder wenig Geld hatte, zu wenig, um auf den Swutsch nach Bremen mit dem Zug zu fahren, dachte ich daran, mich wenigstens in Bremerhaven an den Weserdeich zu setzen, auch in der berechtigten Hoffnung, dort ein paar Bekannten zu begegnen, und einer bekannten Rockband zu lauschen, die vom Deich aus hörbar ein Konzert gab. Zwar nicht ganz so meine Musik, aber die Aussicht auf Gesellschaft. Meine Lieblingsdisco in Bremen leider unerreichbar wegen Ebbe in der Kasse.

Ich schnappte mir mein Fahrrad, und machte mich auf den Weg nach Bremerhaven. Schon kurz nach dem Ortsausgang musste ich anhalten, denn auf dem Grünstreifen war ein 10-DM-Schein zu finden (so lange ist das schon her!). Das besserte meine Laune erheblich, denn es versprach die Aussicht auf ein paar Bier. So etwa fünfzig Meter weiter, wieder rechts auf dem Grünstreifen, lag dann ein 20-DM-Schein. Ich selbstverständlich wieder runter vom Fahrrad, und auch den mit genommen. Dann bin ich noch einmal ein paar Meter weiter gekommen, bis ich wieder anhalten musste. Denn nun lag da ein 50-DM-Schein. Da dachte ich mir, nachdem ich auch den eingesteckt hatte, dass das ein gutes Zeichen wäre. Ich wendete mein Fahrrad und die Fahrtrichtung und radelte zum nahegelegenen Bahnhof ein Dorf weiter. Dort fuhr gerade der Zug nach Bremen ein. Ich rein da, damals konnte man noch Fahrkarten bar im Zug lösen, und ich hatte schließlich einen vergnüglichen Abend in meiner Lieblingsdisco, und eine nette Frau lernte ich auch noch kennen.

Obige Geschichte klingt zwar etwas unwahrscheinlich, ist mir trotzdem so passiert. An dem Abend klappte einfach alles. So etwas lässt sich auch nicht planen. Wenn etwas in einem solchen Flow geschieht, sollte man einfach der Göttin (oder wem oder was auch immer) ein dickes Dankeschön senden.

Es geschehen Dinge, die sollen so sein. Keine weitere Erklärung

Freitag, 28. August 2026

Deutungen: 22. und 23. August

 


22. August

Die Sonne steht mittlerweile wieder so tief, dass sie im Fenster meiner Klause die facettierte kleine Kristallkugel durchscheint, welche dort hängt. Diese wiederum schickt so angestrahlt Regenbögen in mein Zimmer. Das geschieht eine gewisse Zeit im Frühjahr, und jetzt wieder, wo sich das Jahr dem Herbste zuneigt. Ich erfreue mich daran, besonders, wenn ich die Kugel leicht pendeln lasse, dann entwickelt sich ein Lichtdom aus Regenbogensplittern an Wänden und Decke.

Ich liebe Regenbögen, und ich kann es nicht verstehen, dass einige Menschen beim Anblick einer Regenbogenfahne steil gehen. Steht diese doch für nichts anderes als ein tolerantes Miteinander. Aber vielleicht ist so manch teutonisches Mannsbild davon abgestoßen, da es ihn dann an eigene verborgene Neigungen mahnt. So eine Spekulation meinerseits. In der Bibel ist der Regenbogen ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen. "Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er ist das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde", heißt es im ersten Buch Mose. Nachdem Noah mitsamt seiner Arche nach der Sintflut gelandet war.

Die ersten Regenbogenfahnen tauchten bereits vor 500 Jahren auf. Im Bauernkrieg 1525 führte der Theologe Thomas Müntzer bewaffnete Bauern an. Als Zeichen ihres Bundes mit Gott und als Symbol ihres Aufstandes trugen sie eine weiße Fahne mit einem Regenbogen.

1913 hatte der US-amerikanische Geistliche James William van Kirk anlässlich des Weltfriedenskongresses eine "World Peace Flag" (Friedensflagge) kreiert mit Regenbogenstreifen, Sternen und einem Globus. Seit 1961 verwendet die Friedensbewegung die Farben des Regenbogens auf ihren Fahnen mit dem weißen Schriftzug "Pace" für Frieden. Dabei sind die sieben Farben von Violett (oben) nach Rot angeordnet, stehen also in Bezug auf den natürlichen Regenbogen kopfüber. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace schmückt die Bordwand ihres "Rainbow-Warrior" Schiffes mit einem Regenbogen.
“ (Christine Süß-Demuth auf der Webseite evangelisch.de)

* * *

Es beginnt die Zeit der großen Ernte, nicht umsonst wurde der Vollmond im August auch der Erntemond genannt. Dieser Zeigt sich am Freitag, dem 28. August in voller Schönheit, und es wird auch eine partielle Mondfinsternis angekündigt. Ich werde dieses Datum wählen, um ein weiteres I Ging zu ziehen.


Vorerst wird geerntet: Gestern waren Vogelbeeren dran, und Zitronenbohnenkraut, vom letzteren harren die von den Trieben abgestribbelten Blätter eingezuckert der heutigen Weiterverarbeitung. Wir hatten gestern auch noch Ingwer in feine Scheiben geschnitten und lagenweise eingezuckert, und die Vogelbeeren gekocht und abgeseiht. Heute sollen dir drei Komponenten zu einem Sirup zusammengeführt werden: Der sich über Nacht gebildete Sirup des eingezuckerten Ingwers wird abgegossen und die Ingwerscheiben kurz durchgekocht, dann abgesiebt, die eingezuckerten Blätter des Zitronenbohnenkrautes ebenso, und dieser Sud wird mit dem des Ingwers und dem der Vogelbeeren und dem Ingwersirup kurz aufgekocht, mit Zitronensaft und eventuell etwas Zitronenschale abgeschmeckt und heiß auf Flaschen gezogen.

Abgekühlt dient dieser Sud als Limonadengrundlage mit Bitternote von den Vogelbeeren, er lässt sich mit Mineralwasser aufgießen, selbstverständlich auch mit Prosecco. Die Vogelbeeren geben ihm auch eine hellorangene Farbe. Die Beeren sind wirklich für Vögel gedacht, sie hängen gut erreichbar an den Zweigenden, leuchtend gefärbt, denn viele Vögel sind Augentiere: „Aber nicht alle Vögel verlassen sich so stark auf ihren Geruchssinn. Viele kleinere Vogelarten, wie zum Beispiel Singvögel, nutzen hauptsächlich ihr Sehvermögen und ihren Hörsinn, um sich zu orientieren und Nahrung zu finden. Ihr Geruchssinn ist weniger ausgeprägt und spielt in ihrem Alltag eine untergeordnete Rolle.

Interessanterweise hat die Forschung gezeigt, dass der Geruchssinn bei Vögeln im Laufe der Evolution unterschiedlich entwickelt wurde. Während einige Arten ihn fast verloren haben, haben andere ihn verfeinert und angepasst, um in ihrer spezifischen Umgebung zu überleben. .
.“ (Dirk Löhe, Webseite „Vögel im Garten“)

Die Vogelbeeren sind roh leicht giftig, geben meinem Limonadenansatz aber eine angenehme Bitternote, außerdem sind sie ein natürlicher Vitamin-C-Zusatz. Am Montag geht es mit den Kindern weiter mit Holunderbeeren, Zwetschgen und Pflaumen stehen an, und mit den Äpfeln geht es auch los. Außerdem lassen die regenreicheren letzten Tage allmählich auf Pilze hoffen. Die Natur schenkt reichlich.

Das Foto oben zeigt Peter Pateter und die Waldlilli inmitten der Vogelbeerernte. Die beiden sind eine Filzarbeit von Judith Zahn-Dahlen aus Fredelsloh, sie dienen als Maskottchen der Wilden Sollingküche, ein Projekt, an dem ich beteiligt bin. Das Foto hat Sonja Fiedler aus Fredelsloh aufgenommen.


23. August

Was ich schätze am I Ging ist, dass es kein lineares Buch ist. Keine Art Roman oder philosophische Abhandlung mit Anfang und Ende, ein Buch, dessen Texte ich mir so langsam „erziehen“ muss mit meinen Schafgarbenstengeln. Und dass mit jeder Ziehung auch noch Varianten zulässt a la „neun auf dem zweiten Platz“. Ich bin nicht der Versuchung erlegen, das Buch von Anfang bis Ende durch zu lesen. Ich werde es mir nach und nach erziehen.

Sechs auf drittem Platz bedeutet: Hier ist die Kraftquelle nicht im eigenen Ich, sondern in der Beziehung zu andern Menschen. Wenn man auch noch so nahe mit ihnen steht, wenn unser Schwerpunkt auf ihnen beruht, so lässt sich nicht vermeiden, dass man umhergeworfen wird zwischen Freude und Leid. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, das ist das Schicksal derer, die abhängen von der inneren Übereinstimmung mit andern Menschen, die sie lieben. Hier wird nur das Gesetz ausgesprochen, dass dem so ist. Ob dieser Zustand als lästig oder als höchstes Glück der Liebe empfunden wird, bleibt der subjektiven Beurteilung des Betroffenen überlassen.“, einfacher ausgedrückt: Wer liebt macht sich verletzlich.

Sich verletzlich zu machen bedeutet auch, verzeihen zu können. Auch, um die Liebe fortzuführen. Es bedeutet die Einsicht zu bekommen, dass kein Mensch unfehlbar ist. Einem Menschen, der mir nicht so nahe ist wie ein geliebter Mensch, dem kann ich unverzeihlicher begegnen. Und dabei und damit auf Abstand halten. Eine oft angemessene Reaktion.

Das Lot der Frage pendelt, ist Liebe zwangsläufig („Hier wird nur das Gesetz ausgesprochen“) mit Abhängigkeit verbunden? Anders: Gibt es einen Unterschied zwischen Bindung und Abhängigkeit? Muss Bindung immer mit Verstrickung einhergehen? Was tun wir in einer Beziehung, wenn unsere Prägungen aufeinanderprallen?

Wer hat ein Gesetz wie postuliert? Wo Gott nicht mehr regiert, herrschen die Naturgesetze. Als wäre „die Natur“ eine Person, die Gesetze erlässt. Ich denke, dass wir uns mit dem Begriff Natur“gesetze“ ganz auf die falsche Fährte begeben haben, die Natur zu verstehen. Und so ähnlich wie die Naturgesetze wird das oben ausgesprochene Gesetz postuliert. Und so wie dort „die Natur“ als der Gesetzgeber (ich wähle hier bewusst die männliche Form, auch wenn Natur eine „die“ ist) fungiert, ist es da auch irgendetwas.

Was ist, wenn wir uns aus den Verstrickungen der Worte befreien? Wenn das Fallen eines Apfels Ausdruck des Wesens der Schwerkraft ist. Ebenso wie das Inbahnhalten von Planeten. Schwere hat die Eigenschaft der Anziehung.

Wie ist das mit dem Lieben eines Menschen? Ich bin mir sicher, dass das auch ohne „himmmelhochjauchzend - zu Tode betrübt“ geht. Dass die innere Übereinstimmung mit einem Menschen etwas anderes ist als Abhängigkeit. Und dass sie funktionieren kann, wenn beider Kraftquelle in etwas Tieferem wurzelt. Daher darf ich mich der Verletzlichkeit preisgeben. "Dein Liebenkönnen ist das, was dem Ganzen einen Sinn gibt". Wir hängen alle von dem ab, was wir lieben, und was uns wiederliebt.

Verstehen entsteht, wo wahres Hören und wahre Selbstbeobachtung in der Beziehung vorhanden sind. . . . Beobachte dich, wenn du in irgendeinem Ausmaß leidest. Beobachte deine Motive. Beobachte die Tätigkeit der Identifikation. Beobachte die Tätigkeit der Differenzierung. Beobachte die Tätigkeit des Verlangens. Beobachte die sich immer wiederholenden Grundmuster deiner Existenz. . . .Wenn du erkennst, dass du in jedem Augenblick, ob du dich in deiner besten Verfassung oder im denkbar übelsten Zustand befindest, stets nur die Beziehung vermeidest, dann verstehst du.“ (Aus: „Das Knie des Lauschens: Die Meditation des Verstehens“ von Adi Da Samraj)

Donnerstag, 27. August 2026

Deutungen: 19. und 20. August 26

 


19. August

Gedanken dürfen sich kreuzen, Ereignisse auch. Gestern wurde ein neues Modell des Fahrradklingeldeckelxylophons mit Hilfe eines Freundes angefertigt. Das alte ist schon Jahre überfällig, die Plastiktreppe, auf der die Fahrradklingeldeckel drapiert waren, ist schon vor Jahren verschwunden. Nun also aus Holz. Nur drei Tragebretter für jeweils vier Klangkörper statt vier davon. Nun also Zwölftonmusik im Wortsinne. Dann wurden noch die Uhrenglockenstäbe montiert, die vormals auf dem Klangarten, also der Klangschublade, befestigt waren. Das ganze sieht jetzt etwas futuristisch aus. Es soll eines der Musikinstrumente für dingefinders publik art arkestra werden, neben der Grünen Lampe und einer Kiste voll little instruments. „publik art“ weil dieses Instrumentarium vom Publikum bedient werden soll, um die gelesenen Gedichte klanglich zu illuminieren. „arkestra“ ist eine Ableitung von Orchester, die Sun Ra für seine Bandprojekte als Bezeichnung gewählt hatte. Hier steckt das Wort „Arche“ drin, und das gefällt mir auf eine freundliche Weise.

Beim frühmorgendlichen Gang zur Backstube, es sind immerhin vier Kilometer, teils durch Wald, begegnen mir nicht nur verschiedene Tiere und frisch aufgeblühte Blumen, sondern auch gute Gedanken. Das wird wohl korrelieren. Heute war zuerst dunkel, der nahende Herbst lässt grüßen. Da ich eine Straße gehe, die zwar nicht vielbefahren ist, doch wo trotzdem das eine oder andere Auto entgegen kommt, habe ich jetzt wieder Taschenlampe dabei und eine Leuchtweste als modisches Accessoire über der Regenjacke. Ja, Regenjacke brauchte es heute morgen zum Teil. Es war trotzdem ein schöner Gang, und mir begegnete in der Morgendämmerung eine Fledermaus, so spät noch unterwegs. Letzte Woche noch war es an diesem Teil der Straße noch hell, und keine Fledermäuse flogen mehr.

Diese beim Gehen entstandenen kleinen Morgenphilosophien lassen sich so wenig festhalten wie die Fledermaus in der Morgendämmerung. Doch sie wirken in den Tag hinein. Heute kam mir der Weg wieder recht lang vor. Es gibt Morgende, da ist der Weg kurz und fröhlich, als hätte irgendein Waldgeist ein paar hundert Meter vom Weg einfach abgeschnitten. Doch auch wenn es langsamer vorangeht mit dem Zeitvergehen, hat das nicht unbedingt etwas mit Traurigkeit oder Melancholie zu tun. Sind dann wohl einfach von irgendwem ein paar hundert Meter Weg darangeklebt worden.

Noch klingen viele der Gedanken zum I Ging – Orakel vom 8. August nach. Doch so langsam verblasst das, andere Dinge drängen vor. Vieles schwer greifbares. Und vieles ist so komplex, dass es kaum verwörterbar ist. Ein Versuch es trotzdem wert. Auch wenn die Entwicklungen in der Welt eine Geschwindigkeit aufgenommen haben, die atemlos macht. Mit welcher Macht sich in den letzten zehn Jahren Tech-Giganten, Oligarchen, KI – Steuerung, Drohnenkrieg und die Aufteilung der Welt in Verwertungssphären in den Vordergrund geschoben haben, ist für mich manchmal kaum fassbar. Ein Teil von mir lebt noch in der Landkommune in den Achtzigern, ein anderer ist auf der Wanderung, die folgte. Doch lebe ich trotzdem in Gänze in einem Dorf in idyllischer Landschaft, und auf meinen Morgen- und anderen Gängen kommt mir die Welt oft fast paradiesisch vor. Es sind ganz lapidare Dinge, welche dann mit einer Plötzlichkeit glücklich und heiter machen. Mal ist der Schwarzstorch, der aus der taufeuchten Wiese aufsteigt, dann wieder ist es das ätherische Blau der Wegwartenblüten die sich der Sonne darbieten, welche von der Schönheit der Erde sprechen. All diese Kleinigkeiten, wie die paar Triebe vom Gelben Steinklee, die im Vorbeigehen gestreift werden und mit Cumarinduft grüßen. Da fällt mir dann eine Geschichte ein, die ich mit meinem damals drei Jahre alten Sohn erlebt hatte. Es war zur Weihnachtszeit, meine Eltern lebten noch, und hatten zum Familientreffen eingeladen. Mein Sohn und ich hatten uns nach einer Überdosis Verwandtschaft in den nahen Wald verzupft. Damals hatten wir ein Spiel, ein Rollenspiel, ich las ihm am Abend oft aus Peterson Und Findus vor, den Kinderbüchern von Sven Nordquist, und so wurde ich dann zu Peterson und mein Sohn zu Findus.

Wir beide also in den nahen Wald. Es war winterlich kühl, jedoch die Sonne schien, sozusagen eine kühle Wärme um uns, und das Licht war etwas gefiltert durch einen leichten Dunstschleier. Dadurch bekamen eine Pflanzen die Andeutung einen Halo um sie herum, und das Moos auf dem Boden ein sanft smaragdenes Leuchten. Da gerade Weihnachten war hatten wir ein besonderes Augenmerk auf die kleinen Fichten, die in verschiedenen Altersstufen eine Lichtung einnahmen. Wir stellten uns vor, wie diese wohl mit Kerzen und Lametta geschmückt aussehen würden. Bei den ganz kleinen Bäumchen mussten wir lachen bei der Vorstellung, wie sie sich unter der Last nur einer Kerze schon biegen würden.

So gingen wir fröhlich durch diese Welt von Weihnachtsbäumchen, Smaragdmoos und Lichtflitter, mein Sohn wurde fröhlicher und fröhlicher, bis es aus ihm herausplatzte, er mich mit großen Augen ansah und sagte: „Die Welt ist schön! Nicht wahr, Peterson?“


20. August

Wir schauen oft erstaunt auf die großen Konflikte in der Welt, dabei sind sie nur ein Spiegel unserer Konflikte im Kleinen, so geht das weiter hinunter von Stufe zu Stufe, Familie, Freundeskreis, Bekanntenkreis, Dorf oder Stadtteil, Ortsrat, Gemeinderat, Stadtrat, Kreisrat, Landesregierung, Bundesregierung, EU, Nato, Erdteile, Globus: irgendwie sind wir Menschen eine streit- und kriegsüchtige Spezies. Was sich bei uns im Kleinen spiegelt, das ist vergrößert Weltpolitik, Geostrategie. „Du muss geostrategisch denken“, sagte mir einmal jemand in einer politischen Diskussion. Doch warum sollte ich das tun? Das, was geostrategisch gerade läuft, ist Irrsinn. Da werden Ressourcen in kaum vorstellbaren Ausmaß verballert, nur um Ressourcen zu sichern, die dann wieder verballert werden Jede Energieeinsparung, jede umweltfreundlichere Energiegewinnung auf der einen Seite wird geschluckt von Servern für KI und für den Bau von Waffensystemen, Satelitensystemen, Kriegführungen.

Und da oben drohen sich die großen Jungs (meist sind es Jungs, beziehungsweise alte Männer) gegenseitig, scheffeln dabei ungeniert weiter, vergolden Paläste, und lassen sich irgendwie doch gegenseitig in Ruhe. Den Kopf hinhalten muss das Fußvolk.


Dienstag, 25. August 2026

Deutungen: 17. und 18. August 26

 


17. August

Den Neumond des Monates August hatten wir schon am 12. August durchschritten. Wirklich tief bemerkbar hatte er sich nicht gemacht, auch wenn er sogar mit einer Sonnenfinsternis verbunden war. Doch wurde ich wohl abgelenkt von meinem Sinnen über die Ziehung des ersten I Ging mit den neuen Schafgarbenstängeln. Zwei Dinge haben sich da nach hinten verschoben beim Sinnen über die Texte: Die Wandlung der beiden Linien.

Also: „Neun auf fünftem Platz bedeutet:

Er besitzt Wahrheit, die verkettet.
Kein Makel.

Hier ist der Herr gezeichnet, der durch die Kraft seines Wesens alles zusammenhält. Nur wenn seine Charakterstärke so umfassend ist, dass er alle beeinflussen kann, die zu seiner Herrschaft gehören, ist er so, wie er sein muss. Die Suggestivkraft muss vom Herrscher ausgehen. Sie wird alle die Seinigen fest zusammenknüpfen und einigen. Ohne diese Zentralkraft ist alle äußere Einigung nur Lüge, die im entscheidenden Augenblick zerbricht.“

Hier zeigen sich wieder in aller Deutlichkeit die patriarchalen Wurzeln des I Ging. Es mag jedoch auch an der Schwierigkeit einer Übersetzung bestimmter Worte und Sachverhalte liegen. „Die Suggestivkraft muss vom Herrscher ausgehen“, das impliziert, dass ein Herrscher überhaupt Suggestivkraft besitzen muss. Nicht Reinheit der Gedanken und des Handelns zählt, nicht Sichtbarkeit der Lauterkeit des Handelns, nicht eine Losgelöstheit von persönlichen Wertungen in der Außenwirkung und im Bestreben, nein, es zählt: Die Suggestion. In meinem Kosmos ist Suggestion eine Art hypnotische Wirkung auf andere, welche sie willig hinterherlaufen lässt. Das mag im begrenzten Maße „alle die Seinigen fest zusammenknüpfen und einigen“. Was bedeutet, dass jemand überhaupt „Seinige“ haben möchte. Der „Führer“ hatte seine Suggestivkraft vor dem Spiegel geübt, seine Gesten, seine ekstatischen Ausbrüche, seine „tiefen“ Blicke in die Augen anderer.

Eine Welt, die mir fremd ist. Gewiss kann ich eine gewisse Suggestivkraft entwickeln, wenn ich auf der Bühne vortrage. Ich stelle mich hin und lenke mithilfe der Kunst alle Aufmerksamkeit auf mich. Das ist in diesem Moment meine Aufgabe, und es gehört hier hin als ein Teil dessen, was Kunst auf der Bühne vermag. Jedoch: Die Aufmerksamkeit wird mir geschenkt. Und sie sollte nicht über die Zeit auf der Bühne hinaus gehen. „Du hast auch narzisstische Anteile“, sagte eine befreundete Psychologin nach einer Lesung in der Klosterkirche zu mir. „Ja, ich könnte sonst kein Künstler sein“, war sinngemäß meine Antwort. Doch damit werde ich kein amerikanischer Präsident des Jahres 2026. Light off - Jörg ist wieder da.

Ohne diese Zentralkraft ist alle äußere Einigung nur Lüge, die im entscheidenden Augenblick zerbricht.“, doch nur durch Suggestion erzeugte Einigkeit ist die Lüge selbst. Doch da, wo ich in leitende Position gewählt worden bin, habe ich mich zu öffnen und zu zeigen. Ich möchte um meines Könnens willen gewählt werden. 


Sechs auf drittem Platz bedeutet:

Er findet einen Genossen,
bald trommelt er, bald hört er auf.
Bald schluchzt er, bald singt er.

Hier ist die Kraftquelle nicht im eigenen Ich, sondern in der Beziehung zu andern Menschen. Wenn man auch noch so nahe mit ihnen steht, wenn unser Schwerpunkt auf ihnen beruht, so lässt sich nicht vermeiden, dass man umhergeworfen wird zwischen Freude und Leid. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, das ist das Schicksal derer, die abhängen von der inneren Übereinstimmung mit andern Menschen, die sie lieben. Hier wird nur das Gesetz ausgesprochen, dass dem so ist. Ob dieser Zustand als lästig oder als höchstes Glück der Liebe empfunden wird, bleibt der subjektiven Beurteilung des Betroffenen überlassen.“

Ich bin gerne abhängig von der inneren Übereinstimmung mit den Menschen, die ich liebe. Doch es gibt Kreise der Nähe um mich. Der inner circle sind die, welche mir am nahesten stehen, und da kann und möchte ich duldsam sein, auch dann, wenn ich von ihnen das eine oder andre mal von unbedachten Äußerungen oder ähnlichem verletzt werde. Die Basis einer solchen Beziehung ist die tiefere Übereinstimmung, welche von solchen Äußerlichkeiten nicht tangiert wird. Eine innere Integrität der Beziehung.

Des weiteren schaue ich, wie nahe ich mit mir verbundene Menschen an mein Innerstes heranlasse: Eine Armlänge etwa, oder zwei, oder sogar ganz viel inneren Abstand, gerade genügend Nähe in allen Fällen, dass ein gemeinsames Ziel nicht gefährdet ist. Bei wenigen nur spüre ich, dass kein Abstand vonnöten ist.


18. August

Die Ordnung des I Ging basiert auf einer patriarchalen Gesellschaftsordnung („Könige“, „Herrscher“). Wie sähe denn eine matriarchale Ordnung aus? Es ist ja nicht einfach so, dass es dann statt eines Königs eine Königin gäbe oder statt eines Herrschers eine Herrscherin. Eine Blaupause zu meiner Utopie gibt es:

Die gesellschaftliche Struktur der Irokesen-Nationen war vom Matriarchat geprägt. Die Kernfamilie spielte nur eine untergeordnete Rolle, weil sie stets nur Bestandteil der Ohwachira (etwa: Großfamilie) war, eines Großhaushaltes, dem Frauen vorstanden . . . Etwa zwanzig bis zweihundert einer solchen Owachira wohnten zusammen in einem Langhaus, familienweise in kleinen Appartements. . . . Die Autorität über ein solches Langhaus als der wichtigsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einheit lag bei der ältesten `Ahnmutter`aller Familien, die nur aus den Frauen und Kindern ihrer direkten Nachkommen bestanden . . .

. . .

Die Machtfülle einer Owachira-Matrone und des weiblichen Owachira-Rates, der aus ausgewählten erwachsenen Frauen bestand, war außerordentlich groß, weil der Owachira-Matrone direkt und dem Owachirarat indirekt alle erwachsenen Männer - daruter also auch sämtliche Amts- und Würdenträger unterstanden. Kein einziger der Männer konnte ohne das vorherige Einverständnis des Ohwachira-Frauenrates irgendetwas unternehmen oder beschließen. So waren auch Kriege und jedwede politische Entscheidungen ohne die ausdrückliche vorherige Zustimmung der Frauen möglich.

. . .

Jeglicher Land- und Hausbesitz gehörte kollektiv einer Owachira; nur deren Frauen waren, was das bewegliche Eigentum Verstorbener betraf, erbberechtigt.

. . .

Der Owachira-Frauenrat regelte in offener Abstimmung alle Großfamilienangelegenheiten. Ein Beschluss hatte nur bei Einstimmigkeit Gültigkeit und war deshalb das Ergebnis umfassender Kompromisse. Fraktionelle Meinungsbildung etwa von Gruppen gab es nicht. Übereinstimmungen der Abgeordneten ergaben sich zufällig und wechselten von Problem zu Problem. Jede Einflussnahme auf die Meinungsbildung eines anderen galt als verwerflich, als Ausdruck mangelnder Reife und führte zu Ausschluss aus dem Frauenrat.

. . .

Eine vom Frauenrat einstimmig gewählte oder durch Familienprivileg bestimmte weise Matrone stand dem Frauenrat vor. Sie besaß aber keine Entscheidungskompetenz, sondern fungierte vornehmlich als eine Art Schiedsrichterin, die darauf achtete, dass die äußerst strengen und detaillierten Verfahrensregeln eingehalten wurden. Wenn solche Regeln nicht oder nur unvollständig beachtet wurden, verwies sie die Beratungen in einer bestimmten Sache zum Anfang zurück, oder sie ermahnte, machte Vorschläge. So wurde die Thematik äußerst gründlich von Stufe zu Stufe jeweils bis zur Übereinstimmung der Verhandelnden analysiert, in ihre Interessensbestandteile zerlegt und Punkt für Punkt mit jeweils einstimmigen Entscheidungen abgeschlossen, bis schließlich in einer Gesamtabstimmung das ganze Problem eine einstimmige Beschlussfassung erlaubte, die allen Beteiligten als akzeptabler Kompromiss diente.“ (Heinz J. Stammel, Die Apotheke Manitous, Hamburg 2000, zuerst veröffentlicht 1982, Kapitel „Die Sozialphilosophie der Indianer“)

Soweit erst einmal die Grundzüge einer Konsensdemokratie, ich werde darauf zurückkommen, denn es stecken in dem Konzept noch weitere Details, die Beachtung erfordern. Erst einmal grundsätzlich: Wie sähe meine Handlungsoption als Leitender in einem solchen System aus? Ganz gewiss würde ich ohne manipulierende Suggestionskraft agieren müssen.


Das Bild einer irokesischen Frau ist aus dem Buch Legue of the Ho-dé-sau-nee, or Iroquois von Lewis Henry Morgan (1818  -  1881), New York 1851

Hier gibt es weitere Informationen über den Irokesenbund: Der Irokesenbund als egalitäre Konsensdemokratie


Sonntag, 23. August 2026

Deutungen: 12., 13. und 15. August 26

 



12. August


„Wir werden wohl immer die Wenigen sein“ - Wenn ich von meiner Utopie berichte, dann berichte ich von dem, was ich mir wünschen würde für die Menschen. Ich dränge da nicht nach Verwirklichung, sondern ich forsche in mir selbst, in wie weit ich meiner eigenen Utopie gerecht werde. Diese ist meine Quelle im Pfirsichblütenwald. In Deutschland leben zur Zeit etwa 25% der Menschen dörflich, und davon sind wiederum nur ein paar Handvoll ähnlich gestrickt wie ich. Wir leben verstreut, und das einzige, was wir sagen können, ist: „So wollen wir leben, und dafür stehen wir ein!“

Schon genügend "Ja, aber"- Diskussionen habe ich darüber schon geführt. Darum geht es mir hier nicht. Es geht um meinen eigenen inneren Kompass. Welche meiner Handlungen stehen dem näher, welche entfernen sich weit davon, und inwiefern muss ich Kompromisse eingehen. 

Ich habe keine Pläne in der Schublade, wie wir als 8-Milliarden-Volk auf diesem begrenzten Planeten zusammen leben sollten, oder eher, wie wir zusammen zu einem friedlichen Miteinander kommen. Für mich sind Prioritäten für alle Menschen: Genügend zu Essen, ein Dach über den Kopf, Wärme, Soziales Miteinander, Gewaltlosigkeit. Selbstbestimmung und Mitbestimmung. Wohlgemerkt: Für alle Menschen. Mithilfe an der und Mitarbeit in der Gemeinschaft für jede und jeder nach seinen und ihren Fähigkeiten. Das alles sollten Selbstverständlichkeiten sein, global. Garantiert und ohne Ausnahme und ohne „Warum?“.

Erst wenn das gewährleistet ist, können wir uns darüber unterhalten, wie wichtig es wäre, dass jede und jeder ein Smartphon, ein Auto, zweihundert Quadratmeter Wohnfläche mit einem Riesenbildschirm im Wohnzimmer und ähnliches haben sollte. Erst wenn sichergestellt ist, dass niemand hungert, obdachlos ist, friert und ohne medizinische Versorgung ist, dann kommt das Verhandeln um den Luxus für alle, so viel Luxus, wie wir dem begrenzten System Planet Erde abgewinnen können ohne die Biosphäre zu zerstören. Und das nicht nur heute, sondern weiterhin, Zukunft inklusive wir haben als Menschheit noch ungefähr drei Milliarden Jahre hier zu verbringen.

So weit für heute. Gleich treffen wir uns, um den entstehenden Kräutergarten zu besprechen, und ich hoffe, dass auch meine Frage nach dem „wie“ eines Baues eines Fahradklingekldeckelxylophons beantwortet wird.

Noch eine kurze Nacherzählung sei erlaubt, während ich in der Küche sitze und warte: Gestern durften wie die erste reife Feige ernten von der Pflanze, die ich vor drei Jahren als kleines Ding kaufte und erst einmal in einen größeren Topf setzte. Nun hat sie zwei Winter im Flur verbracht, in Kürze wird sie in einen größeren Topf verbracht, und darf noch einen Winter inhouse verbringen. Dann werde ich es vielleicht wagen, sie nach draußen zu pflanzen, an einer warmen Südwand. Die Sorte ist „Brown Turkey“, und sie gilt als eine der winterhärtesten und reichtragensten überhaupt. Zu Feigen ließe sich einiges sagen. Erst einmal: Ich liebe Feigen. Ein Grund, warum ich eine her geholt habe. Nun ist sie erst einmal ein Gehölz mit Feigenblättern („Das Feigenblatt ist das Blatt der Feigen“, wusste Joachim Ringelnatz dazu zu sagen), und süßen Früchten. Sie ist eine der am frühesten domestizierten Nahrungspflanzen.

Das Befruchtungsgeschehen der Ficus carica ist kompliziert, und ich verkürze den Bericht hier mit der Information, dass dabei Feigengallwespen eine Rolle spielen. Für meine Brown Turkey ist das unwesentlich, da die Sorte selbstfruchtbar ist.


13. August

Zeichen lesen lernen

Ein Zeichen durfte ich heute morgen schon lesen lernen. Ich habe ein kleines Büchlein über die christlichen Zeichen aus einem Bücherkarton „zum Verschenken“ gezogen. Anlässlich meines heutigen Themas wollte ich darin lesen. Nun ist es verschwunden. Eine halbe Stunde mit der Suche verbracht, doch ist es nicht mehr auffindbar. Obwohl gestern noch in der Hand gehabt. Waren wohl die Muklas oder andere kleine koboldartige Hausgeister. Ist damit wohl heute noch nicht an der Reihe.

Die Feige. Monika Helmke Hansen schreibt dazu: „Schöpferische Idee und Bestimmung - Obwohl sie eine recht extravagante und wohlschmeckende Frucht ist, kann ich die schöpferische Idee der Feige leider auch heute nur als ungut beschreiben. So steht sie weder für eine heilende noch irgendeine spirituelle Kraft, um dem Menschen in seiner Entfaltung zu dienen.

Die Feige macht nicht nur dick, plump, ungefällig und unfrei - ich sehe vor meinem geistigen Auge wie zur Unterstreichung ein Tier, ähnlich einem Schakal -, sie macht auch noch lügnerisch.


Natürlich kannst du gelegentlich Feigen essen, wenn dir danach ist, und sie dann auch genießen, denn dogmatisch wollen wir auf keinen Fall sein. Nur würde ich die Feige nicht gerade zu einer Früchtekur oder zur Abnehmdiät nehmen.“ (Monika Helmke Hansen, Die Botschaft der Früchte - Heilkräftige Helfer in der Zeitenwende, Freiburg 1998)

Dagegen die Meinung von einer anderen Frau zur Feige, Luisa Francia: „Feigen - stärken die sinnliche Kraft der Frauen und die Abwehrkräfte, Frische Feigen sind ein beinahe nicht zu übertreffendes Heilmittel.“ (Luisa Francia, Das magische Kochbuch, Rezepte und Geheimnisse von weisen Frauen, München 2001)

Diese beiden widersprüchlichen Worte zu ein und derselben Frucht. Ich lasse das erst einmal einwirken.


15. August

Zurück zu der Feige und den zwei Frauen, die sich darüber äußerten. Monika Helmke Hansen schreibt: „GÖTTIN NATUR danke ich glücksstrahlend für alle Geschenke: für das Wissen, das sich mir öffnet wie ein stetig stärker werdender Strom, der seine Kraft aus vielen Seitenarmen erhält - damit ich auch dein Wissen durch Resonanzen freilege; für ihren Atem, den Geistwind, der mich durchströmt - damit auch du zunehmend aus diesem gemeinsamen Strom atmen kannst; für die Befreiung, die Sie mir schon geschenkt hat und weiter schenken wird - damit ich sie an dich weitergebe; für die zunehmende Freude, die Sie mir schenkt, einfach darüber, dass ich bin! Wie gerne will ich die neue Lebensfreude an dich weiterverströmen!“ (Die nicht kursiven Wörter im Text sind im Original kursiv geschrieben) (Monika Helmke Hansen, Die Botschaft der Früchte - Heilkräftige Helfer in der Zeitenwende, Freiburg 1998)

Luisa Francia über sich: „jahrelang lang fuhr ich mit meiner tochter kreuz und quer durch afrika, später zog ich allein los, um die magie der fetischpriesterinnen von ghana und der mamissis von togo, nigeria und benin zu studieren, ich wohnte bei einem zeichenfänger der ewe in benin und bei yorubapriesterinnen, um die voodoo-religion zu verstehen. ich verbrachte viel zeit mit tuaregs in der sahara, wo die frauen trommeln und sich am donnerstag abend die männer aussuchen, mit denen sie eine woche oder länger zusamensein wollen. ich traf scharlatane, nieten, weise frauen, sogar zwei weise männer. dann fuhr ich sieben jahre lang nur nach indien, nepal und tibet, ich zog allein barfuss durch das himalayagebirge, schlief bei bergbewohnern auf dem hausdach oder bei berggöttinnen auf dem schoss. das gehen allein half mir mein lied zu finden und mein eigenes universum zu spüren. seit ein paar jahren beschäftigt mich das konzept von zeit und raum. die gemessene zeit, die empfundene zeit . . .“ (Webseite Salamadra.de von Luisa Francia)

Die Botschaft der Früchte, die Monika Helmke Hansen verbreitet, basiert unter anderem auf den vierzehn Nothelfern, welchen verschiedene Früchte zugeordnet sind. (Unter anderem auch die Banane, eine Frucht, der ich kaum etwas abgewinnen kann). Wobei die vierzehn Früchte nicht jeweils einem Nothelfer zugeordnet sind. Zum Verständnis: „Die Vierzehn Nothelfer sind vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Die Gruppe besteht nach der sogenannten Regensburger Normalreihe aus drei weiblichen und elf männlichen Heiligen, von denen alle bis auf den heiligen Ägidius als Märtyrer starben. Abweichend davon gibt es regionale Varianten. In der katholischen Kirche werden die Nothelfer als Schutzpatrone im Gebet angerufen. In der evangelischen Kirche gelten sie allgemein als Vorbilder im Glauben, sofern sie überhaupt dort bekannt sind.“ (Wiki)

Die vierzehn Nothelfer sind ein Konstrukt der christlichen, vornehmlich der katholischen Kirche. Mag es daher kommen, dass die Feige so schlecht wegkommt? Oh, sinnliche Verführerin!. Mir geht es hier nicht darum, Monika Helmke Hansen bloßzustellen, sie hat ihr Konzept gefunden. Es geht um Deutungen, und hieran kann ich einmal exemplarisch vorstellen, wie das persönliche Hintergrundrauschen die Deutungen beeinflusst. Das ist genauso beim I Ging, beim Kartenlegen, beim Deuten von Zeichen allgemein. Ich muss mich lesen lernen.  

Ich liebe Feigen. In Nordwestspanien, Galicien, lebte ich eine Zeit, neben meinem Häuschen befand sich ein Feigenbaum. Zu der Zeit, als ich dort wirkte, trug er gerade reife Früchte, und ich naschte jeden Morgen davon. Dieses kleine Ritual bleibt mir in guter Erinnerung. Wohl auch ein Grund mit, dass ich mir das Feigenbäumchen kaufte. Und schon in jungen Jahren schrieb ich folgendes Gedicht (in meinem Zyklus „Wanderer“):

Ende des Wanderns

Am Ende des Weges
treffen wir uns unterm Feigenbaum.
         -  ein Feigenbaum
             so groß wie ein Berg -

Ein schlängelnder Pfad
führt in das Dorf aus dem Traum,
und wenn der Wanderer naht,
sieht er Menschen fröhlich am Werk,
sieht er Hühner scharren im Sand,
hört er die Hähne krähn,
und über weißen Wolken
wird ein Regenbogen stehn.

Im übrigen mag ich den Ansatz von Monika Helmke Hansen, den Früchten, der Nahrung überhaupt, Deutungen zu unterlegen. Ich habe dem Buch von ihr einige anregende Gedanken entnehmen können. Nicht nur das Auge, auch der Geist isst mit. Es müssen ja nicht unbedingt die vierzehn Nothelfer sein, denen ich die Früchte zuordne. 

Samstag, 22. August 2026

Deutungen: 11. August 26 - Die Verfinsterung des Lichts

 


11. August

Ein Einschub: Für morgen ist eine Sonnenfinsternis angesagt, die auch bei uns zu sehen sein wird. Zwar nur partiell, doch immerhin werden zwischen 84 und 93 % der Sonne verdeckt, und das wird abends gegen 20 Uhr zu sehen sein. 1986 durfte ich dieses Himmelsschauspiel schon einmal erleben, und zwar sehr intensiv. In den Tagen kam in unserer Landkommune die Nachricht an, dass einem unserer Mitbewohnern, der erst vor gar nicht langer Zeit mit seinem Bauwagen, in dem er mit seinen beiden Kindern wohnte, ins Wendland weiter gezogen war, der Bauwagen abgebrannt und dabei seine kleine Tochter umkam, die wir alle sehr liebten. Sie war erst drei Jahre alt. An den Tagen zog eine Mitbewohnerin das I Ging und es kam „Die Verfinsternug des Lichts - Ming I“ dabei heraus.

Am Tag der Sonnenfinsternis, es war im April, zog es mich hinaus in die Wiesen, und ich ging und ging, ohne Ziel durch das Grün, weiter und weiter. Bis ich mich niederkniete und einen langezogenen Gesang erklingen ließ, der etwas von Wolfsgesang inne hatte. In diesem Augenblick schob sich der Mond vor die Sonnenscheibe. Ich heulte meine Trauere um das gestorbene Kind in die Verfinsterung des Lichtes, und das geschah nicht geplant und willentlich als ein wie auch immer geartetes Ritual, sondern es geschah einfach.

Oben Kun, das Empfangende, die Erde
Unten Li, das Haftende, das Feuer

Die Sonne ist hier unter die Erde gesunken, daher verdunkelt. Der Name des Zeichens bedeutet eigentlich Verwundung des Hellen, daher die einzelnen Linien auch vielfach von Verwundungen reden. Die Situation ist genau die entgegengesetzte wie beim vorigen Zeichen. Dort ein weiser Mann an der Spitze, der tüchtige Gehilfen hat, mit denen er gemeinsam voranschreitet. Hier ein finsterer Mann an maßgebender Stelle, durch den der Tüchtige und Weise geschädigt wird.


DAS URTEIL

Die Verfinsterung des Lichts.
Fördernd ist es, in der Not beharrlich zu sein.

Man darf sich auch von ungünstigen Verhältnissen nicht wehrlos mitreißen, nicht in seiner inneren Willenshaltung beugen lassen. Dies ist möglich, wenn man innerlich licht ist und nach außen hin nachgiebig und fügsam. Durch diese Haltung lässt sich auch die größte Not überwinden. Man muss freilich unter Umständen sein Licht verbergen, um trotz Schwierigkeiten in der unmittelbaren Umgebung seinen Willen durchhalten zu können. Die Beharrlichkeit muss im innersten Bewusstsein leben und darf nach außen nicht hervortreten. Nur so kann man unter Schwierigkeiten seinen Willen wahren.


(Aus dem I Ging, übersetzt von Richard Wilhelm) 

Hier ist erwähnt, was in meinen Augen gerade vonnöten wäre. Die Verhältnisse sind ungünstig, und die Verwirrung ist angerichtet. Kaum noch zu unterscheiden, welche Nachricht, die mich erreicht, von wo und in welchem Interesse manipuliert ist. Doch es gibt eine innere Richtschnur, die das Deuten hilft zu bestimmen, und die das Handeln möglich macht. Ich nenne sie „Meine Utopie“. Ich gehe von meiner Utopie aus, und versuche dieser im alltäglichen Handeln nach außen so nahe wie möglich zu kommen. Und in mir auszuloten, dass ich sie so gut wie möglich beschreiben kann. Dazu braucht es Zeit, denn Abwägen der Worte und Gedanken ist kein schnelles Fließen, sondern ein flirrendes Mäandern.

Dazu erst einmal so viel: „Nun, meine Utopie ist von meinem Leben geprägt, oder anders herum, meine Utopie hat mein Leben geprägt. Ich wollte dies: Ein Leben in den Gärten in Gemeinschaft. Dahinter der Gedanke, dass, wenn alle Menschen einen Teil ihrer Zeit in den Gärten verbringen würden, mit der würdevollen Handarbeit der Lebensmittelerzeugung, dann gäbe es mit der Verteilung kein Problem.“

Und: „Nun hege ich noch eine andere Utopie, eine die in einem gewissen Sinne unutopisch ist, da sie in historischer Zeit stattgefunden hat, und damit belegt worden ist: Die Konsensdemokratie. Einige Völker der nordamerikanischen Natives lebten diese, zum Beispiel der Irokesenverbund. Nun hat diese Art der Demokratie einen Haken: Sie verschlingt viel Zeit, da Entscheidungen immer wieder durch die Gremien gehen müssen, bis eine Einigkeit hergestellt ist. Und: Sie bedingt eine Erziehung zum Mitreden schon von Anfang an.

Mit anderen Worten, meine Utopien lassen sich nicht einfach über die heutige Situation überstülpen, und, sie sind von sehr vielen Menschen nicht gewünscht. Da eine Konsensdemokratie ja keine Konsensdemokratie mehr ist, wenn sie befohlen wird, ob von einem Diktator oder einer Mehrheit, ist da egal, wird das wohl Utopie bleiben. Ich selber bin zu begrenzt, um zu wissen, was allen Menschen gut tut. Das müssen wir Menschen gemeinsam herausfinden. Doch ich möchte nicht einfach hinnehmen, dass wir in einer Welt leben, in der jeden Tag, jede Stunde Menschen verhungern. In der es überbordenden Reichtum weniger gibt, und grotesker Armut von so vielen. Erst wenn hier der Ausgleich gelungen ist, mag ich von einer einigermaßen gerechten Welt für uns Menschen sprechen. Die Grundbedürfnisse sollten im Fokus des Gemeinwesens stehen, nicht künstlich erzeugte Konsumwünsche.

Dann noch mein dritter utopischer Gedanke: Neben der Handarbeit in dem so wichtigen Teil des Lebens, der Ernährung, und der zeitfressenden Konsensfindung bei allen Entscheidungen, welche die Gemeinschaft betreffen, ist da noch der Wunsch nach unendlichem Wachstum in mir. Nein, kein solches Wachstum in der Materie, exponentielles Wachstum, da wäre dann die Wasserstoffbombe, die zeigt, was dann geschieht. Ein Wachstum in die Qualität. In die Qualität der Gespräche, des Erzählten, des Gedachten. In die Qualität des handwerklich Erarbeiteten. Und ein unendliches Wachstum in die Phantasie, da kein Mensch mehr unerhört bleibt.“

Das also wären die drei Fundamente meines Utopias: Handarbeit, Konsensfindung und unendliches Wachstum in die Qualität. Ich könnte dazu mehr ausführen, doch ist mir gar nicht danach. Mich selber haben diese drei Fundamente zu dem Leben geführt, welches das meine ist. Nicht perfekt, nicht in Ausschließlichkeit, eher so, wie es ein spanisches Sprichwort beschreibt: "Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, doch sie weisen einem den Weg!"

Das schrieb ich im April 2016 hier in meinem Blog. Und es ist immer noch für mich aktuell. Weiter im Text der Verfinsterung des Lichts:

DAS BILD

Das Licht ist in die Erde hinein gesunken:
das Bild der Verfinsterung des Lichts.
So lebt der Edle mit der großen Menge:
er verhüllt seinen Schein und bleibt doch hell.

In Zeiten der Finsternis gilt es vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Nicht durch rücksichtsloses Auftreten soll man sich nutzlos übermächtige Feindschaft zuziehen. Man soll in solchen Zeiten die Gewohnheiten der Menschen zwar nicht mitmachen, aber de auch nicht kritisch ans Licht ziehen. Im Verkehr muss man in solchen Zeiten nicht alles wissen wollen. Man muss manches auf sich beruhen lassen, ohne sich darum betören zu lassen.

Soweit die Grundaussagen des damals gezogenen. Heute, und in Vorbereitung auf morgen, ist die Situation anders. Doch es stimmt schon: „Förderlich ist es, in der Not beharrlich zu sein“. Die Verhältnisse sind ungünstig, Krieg ist da, und die Möglichkeit, dass er sich ausweitet, greifbar. Die Oligarchen aller Couleur sind dabei, die Welt unter sich aufzuteilen, und dabei bekämpfen sie sich gegenseitig mit allen Mitteln. Auch wenn sie sich direkt und persönlich nichts tun. Zu leiden haben die Menschen. Und die einen flüchten sich unter die Fittiche der Patriarchen, ziehen für diese in den Krieg, real oder mental, bekämpfen alle diejenigen, welche ihren Kurs nicht mitmachen wollen. Parteien werden gefördert, welche die Ausplünderung des Planeten unterstützen, und „Ausplünderung“ ist hier ganz real gemeint. Ausgeplündert wird alles, die Ressourcen, die Menschen, Pflanzen und Tiere, Erde, Wasser, Luft und Feuer, alle Elemente unterliegen der Ausplünderung.

Die Anhängerinnen und Anhänger der Ausplünderungsparteien sind rabiat und unbelehrbar. Mit ihnen zu argumentieren lohnt nicht, sie glauben. Das ist die Verfinsterung des Lichts im Großen.

Waldgespräch

Ihr fraget mich, warum im grünen Wald ich niste -
Ich lächle schweigend, und mein Herz ist selig leicht:
Die Pfirsichblüten schwimmen fort und schwinden -
Es gibt noch eine Welt, von Menschen nicht erreicht.


Li tai Pe (Übersetzung Richard Wilhelm, aus: Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten, Jena 1922)

Dieses kleine Werk ein weiterer Tagesfund. Es klingt wie ein Echo aus vergangenen Tagen zu meinem Gedicht und Lied „Verborgen“

Verborgen

Ich schlafe meinen Schlaf der Gesundung
in meiner Höhle tiefdrunten im Wald,
ich trage an vererbter Verwundung,
eine Verwundung, Jahrtausende alt.
Über mir rauschen die Winde, ein singendes Meer,
wehen in die Weite, Baumwipfel neigen sich schwer.
Die Welt draußen erstarrte im Kalt.

Ich trage Traumlicht in der hohlen Hand.

Krieger nahmen den Segen vom Kinde,
die Welt draußen erstarrte in Kummer und Not,
doch in meinen tiefsamtenen Träumen unter der Linde
atmet heimische Küche, schneidet die Mutter das Brot.
Auf Tischen lockt Speise, glänzen die Weine
im Glase, als ob sich Ahnung und Zukunft vereine,
ich öffne die Hände, dass die Flamme mir loht.

Es tanzt meiner Hände Schatten an der Wand.

Aus wehmütig erhellten Tavernen
klingt Spiel, dass sich im Dickicht verliert,
ein Segel glänzt auf, mein Boot treibt in Fernen,
wo Sehnsucht ein anderes Ichsein gebiert.
Tänzerinnen und Tänzer eröffnen den Reigen,
im Haare die Sterne, welche sich neigen,
ein Mund, der meine Wunde berührt.

So werden trübe Schatten gebannt.

Ein Ahnen im Summen des Sommers der Linde,
in meinem Herzen steigt eine Flut,
ein Singen, ich löse und binde,
ein Falter, der auf schwankender Blüte ruht.
So ruf ich in alldem hinein meine Fragen,
eine Antwort, ein Echo aus ferneren Tagen,
ein Lachen, ein Segnen, ein Mut.

Ich habe mich doch immer erkannt.

Ein heilsamer Kuss auf meiner Verwundung,
die Antwort des Draußen verhallt,
ich schlafe meinen Schlaf der Gesundung
in meiner Höhle tiefdrunten im Wald.

Dieses Lied singe ich häufig vor mich hin, ich habe es auch schon bei einer Probe in der Klosterkirche gesungen, zusammen mit Frauenstimmen. Es entwickelt sich. Und nach dem Gesundungsschlaf wieder geläutert in die Welt der Menschen eintreten. Jeden Tag wieder. So gut als möglich.

Der Vierzeiler von Li tai pe ist wohl auch ein Echo auf einen Vierzeiler von Dschung Tsu:

Sehnsucht

Im Nebel gebt sich fern und dämmernd eine Brücke,
Und an der Ufermauer liegt ein Fischerkahn.
Den ganzen Tag schon seh ich Pfirsichblüten schwimmen -
Wo öffnet mir ein Tor zur Seligkeit die Bahn?

(Übersetzung Richard Wilhelm, aus: Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten, Jena 1922)

Opa Basditu (Der kleine Mann, der mich Opa nennt, hatte eine Zeichnung gefertigt, darunter stand: Opa Basditu, will heißen: Opa, das bist Du)


Hier geht es zu dem Chinesischen Märchen Die Quelle im Pfirsichblütenwald
Das Bild ist von Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875 - 1911)