Ich habe eine Weile gewartet, bis ich hier wieder weiter schreibe. Zum einen viel um die Ohren, zum anderen uninspiriert. In der Zwischenzeit ist eine Menge geschehen. Politisch: Zwei Landtagswahlen, eine Senatswahl und eine Kommunalwahl . An letzterer nahm auch ich teil, sowohl aktiv als auch passiv. Letzteres war nicht so erfolgreich, doch auch das ist okay.
Zu den beiden Landtagswahlen ist mittlerweile überall alles gesagt und geschrieben worden. Beziehungsweise, das wogt immer noch gewaltig hin und her. Unterhalb dieses Gewoges: Ich denke, es gibt überall Menschen ähnlich wie ich, und die haben es jetzt schwerer und schwerer. Dazu passt es, dass ich mich heute wieder einmal dem I-Ging gewidmet habe, und folgendes kam bei der Auszählung mittels der Schafgarbenstengel heraus (wieder in der Übersetzung von Richard Wilhelm) :
36. Ming I - Die Verfinsterung des Lichts
Die Sonne ist hier unter die Erde gesunken, daher verdunkelt. Der Name des Zeichens bedeutet eigentlich Verwundung des Hellen, daher die einzelnen Linien auch vielfach von Verwundungen reden. Die Situation ist genau die entgegengesetzte wie beim vorigen Zeichen. Dort ein weiser Mann an der Spitze, der tüchtige Gehilfen hat, mit denen er gemeinsam voranschreitet; hier ein finsterer Mann an maßgebender Stelle, durch den der Tüchtige und Weise geschädigt wird.
Das Urteil
Die
Verfinsterung des Lichts.
Fördernd ist es, in der Not beharrlich
zu sein.
Man darf sich auch von ungünstigen Verhältnissen nicht wehrlos mitreißen, nicht in seiner inneren Willenshaltung beugen lassen. Dies ist möglich, wenn man innerlich licht ist und nach außen hin nachgiebig und fügsam. Durch diese Haltung lässt sich auch die größte Not überwinden. Man muss freilich unter Umständen sein Licht verbergen, um trotz Schwierigkeiten in der unmittelbaren Umgebung seinen Willen durchhalten zu können. Die Beharrlichkeit muss im innersten Bewusstsein leben und darf nach außen nicht hervortreten. Nur so kann man unter Schwierigkeiten seinen Willen wahren.
Das Bild
Das
Licht ist in die Erde hineingesunken:
das Bild der Verfinsterung
des Lichts.
So lebt der Edle mit der großen Menge:
er verhüllt
seinen Schein und bleibt doch hell.
In Zeiten der Finsternis gilt es vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Nicht durch rücksichtsloses Auftreten soll man sich nutzlos übermächtige Feindschaft zuziehen. Man soll in solchen Zeiten die Gewohnheiten der Menschen zwar nicht mitmachen, aber sie auch nicht kritisch ans Licht ziehen. Im Verkehr muss man in solchen Zeiten nicht alles wissen wollen. Man muss manches auf sich beruhen lassen, ohne sich darum betören zu lassen.
Das letzte Mal hatte ich dieses Hexagramm Mitte der Achtziger gezogen (ich berichtete), nun wieder heute, in etwas anderer Konstellation. Einen Tag vor dem kalendarischen Herbstbeginn (die Tage werden wieder kürzer und die Dunkelheit nimmt zu) und wenige Tage vor dem Septembervollmond (der Erntemond), der Viertelmond ist schon überschritten.
Also: Erst einmal alles sacken lassen. Und den letzten Absatz noch einmal wirken. Das Foto zeigt übrigens einen Spitzschuppigen Stachelschirmling (Echioderma asperum), gestern zu Hauf gefunden, als ich mit einer jungen Dame aus der Abraxas Kochschule auf Pilzpirsch war. Die Kochschule bekam von dem sechsjährigen Mädchen ihren Namen an einem anderen Tag, auch da waren wir auf Pilzpirsch, fanden aber nur eine Rabenfeder. Durch diesen Fund kamen wir auf den Namen, benannt nach dem Raben Abraxas aus dem Buch Die kleine Hexe von Otfried Preußler.
Der Name des obigen Pilzes klingt ähnlich wie der eines der Drachen, die Hagrid der Wildhüter manchmal heimlich bei sich aufzog. „Spitzschuppiger Stacheldrache“, hmhm, das klingt doch schon recht bös. Und so ist dieser Pilz giftig, hat sogar schon Todesfälle verursacht. Leider waren gestern wirklich essbare Pilze so gut wie nicht vorhanden. Aber hübsch ist er doch, der kleine Kerl, oder?
Abwarten, die Steinpilze, Maronenröhrlinge und Trompetenpfifferlinge kommen bestimmt noch. „In der Zeit der Finsternis gilt es vorsichtig und zurückhaltend zu sein.“ Und geduldig.