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Donnerstag, 4. Juli 2024

Das Märchen vom Garten Sandosa - Eine Collage

 

1967 gründete sich in der Leopoldstraße in München eine Künstler-Kommune, Amon Düül. Der Text „Das Märchen vom Garten Sandosa“ ist vom Plattencover ihrer ersten Langspielplatte „Psychedelic Underground“. Diese Collage ist eine Hommage an die Künstlerinnen und Künstler und ihrer Zeit.

Nach Ingeborg Schober beschreibt ein Besucher des ersten Düül-Konzertes 1968 im Lichthof die Performance so: "Den Leuten ist einfach der Kopf weggeflogen. Und das waren Studenten, die hatten noch nie was von Popmusik gehört. Und die sind ausgeflippt. Da war eine Identität da: Wildheit, Nonchalance, Kinder trommelten, Frauen trommelten. Das war revolutionär. Alles danach war nur noch Abklatsch..." (Tanz der Lemminge, S. 43)



Das Märchen vom Garten Sandosa

Weit drüben, am Fuße
des hohen Gebirges,
lebte einst
ein wunder-
hübsches Mädchen
namens Strömel.
Es war so lieb
und schön,
dass die Ritter des
ganzen Landes von
ihm erzählten.

Doch
die schöne Strömel
träumte allerlei närrisches Zeug,
wenn die Sonne
schien und der Tag himmelblau war.
Zu jener Zeit nun hörte
sie die Sage von
Sandosa, eines gar
seltsamen Garten am
Gipfel des hohen Gebirges,
von dem man sich
zuflüsterte, er wäre schöner noch
als das Paradies. Doch kaum einer
war je oben gewesen, denn nur
die böse Hexe Dila kannte den
Weg dahin.

Und so sprach
das kluge Mädchen:
„Nur jener Jüngling
soll mich zum Weibe
haben, der den Mut hat,
mir den Garten Sandosa
zu zeigen.“ Dies
vernahmen die
beiden Freunde
Kaskado und Bitterling,
zwei junge
Schnösel, die sich
noch allerlei vom
Leben versprachen.
Schnell eilten sie hin
zu ihr und verliebten
sich noch am selben Tage.

Doch die gutherzige Strömel
mochte keinem der
beiden weh tun,
weil sie doch so
unzertrennliche 
Freunde waren,
und so machten sie
sich zu dritt auf den
Weg, die böse Hexe
Dila zu finden.
Hundert Tage und
hundert Nächte irrten
sie durch das einsame
Gebirge, bis sie
endlich einen uralten,
halbverfallenen Turm
erblickten.

Nun wussten sie,
dass sie am Ziele waren,
und alle drei
hatten sie schreckliche
Angst. Doch siehe,
die böse Hexe
empfing sie
freundlich und
versprach, ihnen zu
helfen, sie war wohl
schon etwas wunder-
lich geworden auf ihre alten Tage.
Flugs braute sie einen
Zaubertrunk, und
während sie das tat, dampfte
und zischte es nur so, dass die drei
vor Staunen ihre Angst vergaßen, und
alle nahmen einen kräf-
tigen Schluck davon.
„Puh, das schmeckt ja nach Essig“,
hörte man den einfältigen
Bitterling noch rufen, und schon
waren sie
wieder allein draußen im Walde.

Doch oh, wie hatte sich der ver-
ändert. Überall funkelte und glitzerte
es, denn die Tautropfen waren zu
Edelsteinen geworden. Das Moos
unter ihren Füßen schien zu
atmen, und es wogte und schimmerte
in tausenderlei
Mustern und Farben.
So liefen sie und lach-
ten sie, und plötzlich
waren viele da, bunt
bemalt und in den prächtigsten
Gewändern. Alle waren sie
froh, und sie sangen
und musizierten.
Ruben und seine Jets
spielten zum Tanz auf.
John Lennon
und Tiny Tim
saßen auf einem
Baumwipfel
und sangen ein
wundervolles
Duett, 

und das
ging so:
„In Wald
und Busch
und Feld, da find´
ich mein Behagen,
was soll ich
mich denn
plagen auf dieser
schönen Welt.“ Die K 1
war auch da und Dieter brüllte
in ein Mikrofon, dass die
Erde bebte und die Maulwürfe eilends
ihre Stollen abstützten.
Und vielleicht waren
da auch noch ein paar
von den Amon Düüls.

Als Kaskado, Strömel
und Bitterling dies
alles sahen, beschlossen sie,
für immer hier
oben zu bleiben, und
der einfältige Bitterling
wunderte sich
sein ganzes Leben,
wie er bloß auf „Essig“
gekommen war.

(Und wer´s nicht glaubt,
dem schenkt
Mama Düül ein
Zuckerstückchen).




Sandoz in the rain

If you go through the door
Where the trees and the green
Says yes to love
Being a light
Go to the heaven
Of your mind my mind
Leave your body safe behind
Hoping that you never love any me
Even you’ll ever tried
You’ll give it back (up?)
Your mind
You ain’t got to go up
And sue the can
Seeing what you never had
You never drove your back
Hope you see me
Though you mad
Get you everywhere love you can
Please I’m one in the wind
You go up
So hoping you will never
Well try to show up
Got to cut through the man
you know
Sharpen your heart
Then you go out
Empty Neverland
You can see my mind mind
If you go your land
Open on your dad
Said somewhere in her rain
My love is standing
The sundrops in her eyes
My love a can stand
The sundrops in your eyes
Of your love (all alone?)
Running through the wind
Aaa you know
Running through the wind smile



In der Collage verwendete Schnipsel:

Musik: Amon Düül - Eternal Flow, Amon Düül 2 - Yeti talks to Yogi, Ruben and the Jets - Fountain of Love, John Lennon / Tiny Tim - Nowhere Man, Amon Düül 2 - Sandoz in the Rain, Moody Blues - The Balance

Filme und Bilder unter anderem: Augusto Giacometti, Das siebente Siegel, Gates of Genesis - A surreal short film, Lucid - short film, Koyaanisqatsi, John Macdougall, Die Krone von Arkus, The Trip (1967), Henry Payne End of the day, Das Märchen vom Schlaraffenland, The Garden of earthly delights (Bosch) - animation, Wonderwall, 2001 A space odyssey, Der Dieb von Bagdadf, Die Tote von Beverly Hills, 1950s LSD Test on young woman and many more

Dingefinders LYRA: LYRA ist die Abkürzung für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der Blog (Die anderen Seiten) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die Reihe wird fortgesetzt.

Wenn schon alles gesagt, gesehen und gehört worden ist, ist die Collage vielleicht die Kunstform der Zukunft.

Montag, 25. März 2024

Lilien weiß und Rosen rot - Eine Collage

 

Lilien weiß und Rosen rot - Gedichte zu Lilien und zu Rosen


Und ich glaube an die gold'nen Schwellen,
Wo die wirren, rothen Düfte quellen,
Wo im Winde hohe Lilien schaukeln,
Wo dich Träume wundersam umgaukeln.

Lisa Baumfeld


Ankunft

Lilie, auf die ich meine Strahlen male,
Öffne den Kelch dem süßen Licht entgegen,
Dein Frühling, der dir naht auf Sonnenwegen,
Steigt inbrunstleuchtend von dem hohen Saale.

Lilie, die mein ist, der ich mich vertraue,
Mein Schöpfer will, daß ich dich lenzlich kiese,
Aus blauen Firmamenten sehnend fließe
Mein Kuss in dich mit perlenreinem Taue.

Reinhard Johannes Sorge


Ich und Du

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

Friedrich Hebbel


Nachtgesang

Sieh, die Treppen des Gebirges
Kam die Nacht heraufgestiegen,
Und sie pflückte alle Abendrosen ab.

Sieh, die Treppen des Gebirges
Kam der Mond heraufgestiegen,
Und er pflanzte
Stille weiße Lilien ein.

Wie sie zitternd Blüten treiben
Hoch und leuchtend in die Nacht.

Hör, die Treppen meines Hauses
Sehnsucht kommt heraufgestiegen,
Und sie pflückt mir meine roten Rosen ab.

Mädchen, kämst du wie ein Vollmond
Still herauf auf meiner Treppe,
In die Brust mir
Deiner Brüste Lilien pflanzend,

Daß sie große Blumen tragen
Weiß und traumhaft in die Nacht.

Ernst Wilhelm Lotz


Schwermut

Hinter langen Liliensäumen,
Die um schlanke Beete liefen,
Schliefen, schliefen
Rote Rosen schwer in Träumen.

Manchmal weckten sie Fontainen,
Die am Abend lauter sangen,
Und befangen
Fasste sie ein fernes Sehnen.

Und es seufzten auf die zarten
Rosen in den bleichen Zweigen.
Tiefes Schweigen -.
Doch voll Düfte stand der Garten.

Camill Hoffmann


Hülle Dich, Liebste, in weiße Gewänder,
Ehe die Saite zerspringt.
Lächle im Saale der Engel und Rosen,
Laß Dir die kindliche Stirne kosen,
Ehe das Echo verklingt.

Hugo Ball


Wo du wanderst,
Blühen die Rosen träumerischer,

Wo deine Stimme tönt,
Ist ein Echo aus himmlischen Sphären.

Wo deine Hände Gaben reichen,
Lacht der Frühling aus allen Beeten.

Wo du liebst,
Geht die Welt in Flammen auf!

Hans Bethge


Und ich glaube an die goldnen Schwellen - Aus: Glaubensbekenntnis, Lisa Baumfeld, geboren am 27. April 1877 in Wien; gestorben am 3. Februar 1897 ebenda. Lisa Baumfeld erkrankte schwer und verstarb innerhalb weniger Tage im Alter von 19 Jahren in Wien. Postum gab Ferdinand Groß 1899 eine Sammlung ihrer Gedichte unter dem Titel „Gedichte“ heraus.

Ankunft - Aus: Nachgelassene Gedichte, Vier Quellen Verlag 1925, Reinhard Johannes Sorge, geboren am 29. Januar 1892 in Rixdorf, heute Berlin-Neukölln; gestorben am 20. Juli 1916 in Ablaincourt an schweren Verwundungen, die er sich bei der Schlacht an der Somme zugezogen hatte. Dichter und Dramatiker. Mit seinem Stück Der Bettler, auf Vorschlag von Richard Dehmel mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet, wurde er der Begründer der expressionistischen Dramatik.

Ich und Du, Friedrich Hebbel (1813 - 1863)

Nachtgesang, Ernst Wilhelm Lotz, geboren am 6. Februar 1890 in Culm an der Weichsel, Westpreußen; er fiel als Kriegsfreiwilliger am 26. September 1914 bei Bouconville, Frankreich. Er war Lyriker und Übersetzer, unter anderem übersetzte er Gedichte von Arthur Rimbaud und Paul Verlaine.

Schwermut - Aus: Adagio stiller Abende, Gedichte von Camill Hoffmann, Verlegt bei Schuster & Loeffler Berlin und Leipzig 1902 Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet.

Hülle Dich, Liebste, in weiße Gewänder. . . Hugo Ball - Aus: Emmy Ball-Hennings: Hugo Ball - Sein Leben in Briefen und Gedichten; Mit einem Vorwort von Hermann Hesse; S. Fischer Verlag Berlin 1930

Wo du wanderst. . . aus: Hans Bethge Lieder an eine Kunstreiterin
1922 Gyldendalscher Verlag Berlin. Hans Bethge, geboren am 9. Januar 1876 in Dessau; gestorben am 1. Februar 1946 in Göppingen, Dichter, machte sich einen Namen durch seine Nachdichtungen orientalischer Lyrik.


Musik: 
Gert Wilden jun., aus: Die Schneekönigin 2002; Schumann, Dichterliebe - „Ich will meine Seele tauchen“; Moondog, Frost Flower; Anton Webern, Zwei Lieder op. 19, Goethe Weiß wie Lilien; King Crimson, Peace - A Theme; Laurie Anderson, White Lily; Schumann, Dichterliebe - „Die Rose, die Lilie“; Moondog, Sand Lily; Mark Levant, aus: The Woman in Green 1945.


Dichterliebe

Ich will meine Seele tauchen
In den Kelch der Lilie hinein;
Die Lilie soll klingend hauchen
Ein Lied von der Liebsten mein.

Das Lied soll schauern und beben
Wie der Kuss von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar süßer Stund'.


* * * 

Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne,
Die liebt' ich einst alle in Liebeswonne.
Ich lieb' sie nicht mehr, ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
Sie selber, aller Liebe Bronne,
Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.

Fritz Wunderlich, Tenor; Hubert Giesen, Piano
Heinrich Heine, aus: Buch der Lieder, vertont von Robert Schumann


Weiß wie Lilien, reine Kerzen, 
Sternen gleich, bescheidner Beugung, 
Leuchtet aus dem Mittelherzen 
Rot gesäumt die Glut der Neigung. 

(So frühzeitige Narzissen 
Blühen reihenweis im Garten. 
Mögen wohl die Guten wissen, 
Wen sie so spaliert erwarten.) 

Johann Wolfgang von Goethe, Anton Webern, Zwei Lieder, op. 19 John Alldis Choir Members of the London Symphony Orchestra/Pierre Boulez 


Laurie Anderson - White Lily 

What Fassbinder film is it?
The one-armed Man walks into a flower shop and says:
What flower expresses Days go by
And they just keep going by endlessly
Pulling you Into the future.

Days go by Endlessly
Endlessly pulling you Into the future.

And the florist says: "White Lily."



Filmschnipsel und Bilder unter anderem aus: The Woman in Green 1945; Spencer Roth-Rose, White Lily (2017)


Dingefinders LYRA: LYRA ist die Abkürzung für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der Blog (Die Anderen Seiten) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die Reihe wird fortgesetzt. 

Wenn schon alles gesagt, gesehen und gehört worden ist, ist die Collage vielleicht die Kunstform der Zukunft. 

Samstag, 16. März 2024

Also sprach der Pfarra Noia - Eine Collage

 

Das Wort zum Sonntag von Pfarra Noia:

Der Sonntag ist ein Regentag,
so dass ich mich nicht bewegen mag.
Soviel, sovieles vorgenommen,
doch draußen ist die Welt verschwommen.
Gestern glücklich, heute müd,
wenn man die Welt wie durch Milchglas sieht.

Eines ist wohl sicher richtig:
auch das Glück ist äußerst flüchtig.
Lohnt nicht, dran festzuhalten,
naht ihr wieder, flüchtige Gestalten.
Ja, das Glück ist äußerst scheu,
drum entdeck es täglich neu:
Du kannst glücklich sein,
solang du nicht vergisst,
dass jedes Glück ein Augenblicksglück ist.

Das gilt auch für Schulze, Müller, Meier

Also sprach der Pfarra Noia



Die Mittwochspredigt des Pfarra Noia:

So manche, mancher hängt da gern
seinen Karren an ´nen Stern

Sündigen so ganz verstohlen,
um dann unverhohlen,
zur Beichte gehn,
so bleibt die Selbstbefleckung ungeschehn,

wobei letzteres ja eigentlich nix Schlimmes ist,
es sei denn, er glaubt den ganzen Mist,
und so mancher glaubt, und lebt,
was der Algorithmus an ihn klebt

Stirbt die Kuh,
wird die Butter teuer

Also sprach der Pfarra Noia


* * * 


Frau Klapproth heute in der Ehrenloge
im rosasamtenen Theatersaal.
Sie genießt dort ihre Lieblingsdroge,
Meister Laya predigt wieder mal.

Tief in seinen weisen Wortfluss einzutauchen,
das ist ihr innerlichst Begehr,
dabei die eigne Seele auszuhauchen,
Hingabe ohne Gegenwehr.

Dafür ist sie auch bereit zu Zahlen,
in Münzen kling und Scheinchen knister.
Diese Tätigkeit bereitet ihr recht wenig Qualen,
ist doch ihr Bettgenoss A. D. - Minister.

So hat alles seine Richtigkeit,
die Weisheit, das Geld und die Moral.
Und dunkler dämmen sich die Lichter,
dort, im rosasamtenen Theatersaal.

* * *

traudingsbums
ne ne

kaldaunen im schnee

krakauer auf halde
warte nur balde

frutti di mare
von der wiege bis zur bahre


Zuguterletzt ein guter Rat:

Willst du auffallen
in Kaufhallen,
dann musst du draufknallen
auf die Eier,
dass es patscht.
Und matscht.
Und sagen: Was ist dabei?
Jetzt laufen sie frei!

Ein guter Rat ist nie zu teuer

Also sprach der Pfarra Noia


Pfarra Noias Tageslosung für Freitage:

Weißt du schon oder glaubst du noch?
Was glaubst denn Du?

Ringelreihen
oder Blindekuh?

Ich seh etwas, was du nicht siehst,
oder lieber Schiffeversenken,
das Spiel der neuen Zeit,
Himmel und Hölle
zu verschenken,
es ist soweit
sei bereit:

Vor allen Dingen
den Tag in milder Agonie verbringen
„Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein. . .“
Wenn nachts der Bildschirm flimmert,
himmelwärts der letzte Stern verschimmert

Was glaubst denn Du?
Ach, weiß der Geier -

Also sprach der Pfarra Noia



Lebe grenzenlos

Lebe grenzenlos.
Dein Heimatland:
Die Blüte am Wegesrand

Glaube niemandem mehr.
Dein Weg ist, wo Du Dein Herz spürst.
Es ist nicht schwer

Es gibt nichts, was Du verlierst.
Die Welt ist so groß.
Lebe grenzenlos


Verwendete Musik:

The Westcoast Workshop - The Dowser And The Thaumaturgist (1967)
Bruno Spoerri  -  Brogues In Robes
Kali Bahlu - How Can I Tell My Guru? (1967)
Cacique & his Tribe - Spooky Doo
Uhura singing


Dingefinders LYRA: LYRA ist die Abkürzung für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der Blog (Die Anderen Seiten) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die Reihe wird fortgesetzt.

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Donnerstag, 1. Dezember 2022

Die Reise des Tenderenda nach Ninidanda - Eine Collage

 

Die Reise nach des Tenderenda nach Ninidanda -  Eine Collage

 

Frühjahr 1967, die Beatles sind dabei, ihr Album Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band aufzunehmen. Für den Song Being fort he benefit of Mr Kite schwebte John Lennon eine echte Kirmes­stimmung vor. Im Archiv der Abbey Road Studios fanden sich Tonbänder mit Ausschnitten von Märschen, gespielt von Dampf- und Jahrmarktsorgeln. Kopien dieser Bänder wurden von Toningenieur Geoff Emerick in kleine Schnipsel zerschnitten und willkürlich wieder zusammengeklebt. Heraus kam dabei eine chaotische Klangcollage, die Lennon gefiel. Teile dieses Bandes wurden unter das Ende des Liedes gemischt und lassen es ausklingen. Es gibt eine Lesart dieses Vorganges, die besagt, dass Emerick die Schnipsel in die Luft warf und dann wieder zusammen fügte. Das wäre dann dem Vorgehen der ersten Dadaisten geschuldet, die ähnliches mit Zeitungsschnipseln taten.

 

Tenderenda, der Phantast ist das alter ego des Schriftstellers und Dichters Hugo Ball. Zusammen mit seiner späteren Frau Emmy Hennings hob er Februar 1916 in Zürich das Cabaret Voltaire aus der Taufe, das war die Gründung von Dada. So ist diese „Reise nach Ninidanda des Tenderenda  -  Eine Collage“ auch eine Hommage an Hugo Tenderenda Ball selbst.

 

Verwendet wurden in dieser Collage Schnipsel von: Augusto Giacometti, Sarah Stilwell Weber, Léon Spilliaert, Hugo Ball, Luisa Francia, Neu!, Karlheinz Martin, Stefania Buzatu, Dave McKean, Aldous Huxley (Klaus Buhlert), Albert Einstein with Elsa (driving a flying car), Monty Python, Arthur Browns Kingdome Come, Len Lye, Eroc, Synapson & Bonga, Alan Ginsberg, Johann Wolfgang von Goethe, Väter der Klamotte, Sebastian Droste, Władysław Starewicz, Tangerine Dream, Gusto Gräser, White Noise ( feat. Delia Derbyshire), Oskar Maria Graf, Peter Thomas Sound Orchester, Ash Ra Tempel with Timothy Leary, Sally Rand, Charly Chaplin, Mythos, The Beatles, Richard Wilhelm (Übersetzer), Ken Kesey, Gary Snyder, Hans Leybold, Der Club der toten Dichter, Hector Hoppin and Anthony Gross, Moondog und anderen (falls ich jemanden vergessen haben sollte).

 

Einige Anregungen habe ich Joachim Deicke zu verdanken und seiner Pops tönender Wunderwelt.

Dingefinders LYRA: LYRA ist die Abkürzung für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der Blog (Die Anderen Seiten) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die Reihe wird fortgesetzt.

Zum Geleit

Wo wäre denn Ninidanda? Ach, immer werden die richtigen Fragen nicht gestellt. Das ist seit altersher bekannt. Vielleicht wäre es sinnvoller, erst einmal zu klären, was Ninidanda eigentlich sei. „Seien wir neu und erfinderisch von Grund aus. Dichten wir das Leben täglich um.“, schrieb Hugo Ball in seinen Aufzeichnungen „Flucht aus der Zeit“. Das ist ungefähr hundert Jahre her. Es ist an der Zeit, nicht mehr zu flüchten. Es ist an der Zeit einen Ort in der Zeit zu finden. „Zeit ist eine Illusion, doch je mehr du davon hast, um so realer wird sie“ (Luisa Francia)

 

Hinter uns liegen ein paar Milliarden Jahre Entwicklung und ein bisschen Ewigkeit. Das ist viel. In der Fülle immer hungrig. Das ist schade. Ein Ort in der Zeit. Ich beginne die Reise. Jederzeit.

 

"Unsterblichkeit ist nicht jedermanns Sache" (Kurt Schwitters) Doch vielleicht ist die Collage die Kunstform der allgegenwärtigen Ewigkeit.

 

Tenderenda

 

Ein astrales Märchen. Eine Art himmlischen Puppenspiels. Drei Teile lassen sich deutlich unterscheiden. Der erste: ein mystisches Erlebnis der Eheleute Goldkopf. Eine weiße Lawine kommt ihnen zu Besuch, eine sich steigernde Reinheit und Helle wächst ihnen zu. Ihr Haus liegt über dem Abgrund und an der Fabelwiese, auf der der Buchstabenbaum einhergeht. Das ist jener Baum, von dem die poetischen Adam und Evas essen. Zärtliche Allegorien in Tiergestalt treten auf. Traumhaft die Notenständer des Lachens, die Tenderenda bei Lebzeiten verteilte. Der zweite Teil ist die Ballade von Koko dem grünen Gott. Das ist der Phantastengott. Von ihm kommt alle Glückseligkeit, solang er in Freiheit die Flügel schwingt. Setzt man ihn aber gefangen, so rächt er sich durch Verzauberung derer, die ihm die nächsten waren. Der dritte Teil ist ein Epilog des Ehepaars Goldkopf. Es schüttelt den Staub seiner Zeit von den Füßen und prophezeit ein Ende der Gottlosen und der Verzauberung. Den Kehraus macht, wie es recht und billig ist, ein Vers des Herrn Dichterfürsten Johann von Goethe.

Du kleiner Schelm du!
Daß ich mir bewußt sei,
Darauf kommt es überall an.
Und so erfreu ich mich
Auch deiner Gegenwart.

Und hast du mit Staunen
Das Leuchten erblickt,
Ich lieg dir zu Füßen,
Da bin ich beglückt!

Goethe Aus: Gedichte, West-östlicher Divan, das Schenkenbuch und Sehnsucht, letzter Vers und. . .

Man schreibt Sommer 1914. Eine phantastische Dichtergemeinde wittert Unrat und faßt den Entschluß, ihr symbolisches Steckenpferd Johann rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Wie Johann sich erst sträubt und dann einwilligt. Irrfahrten und Hindernisse unter Führung eines gewissen Benjamin. In fernen Ländern begegnet man dem Häuptling Feuerschein, der sich als Polizeispitzel entpuppt. Daran geknüpft historiologische Bemerkung über die Niederkunft einer Polizeihündin in Berlin.


. . .  die ihre Uhren vom Dach schmissen um eine Ewigkeit jenseits der Zeit
zu wählen. . .

Aus: Allen Ginsberg  -  Howl

Träumte durchs Leben zurück, durch deine Zeit – und meine, die auf den Weltenbrand, immer schneller, dahinjagt,
den allerletzten Moment – die Blume brennt im Tag – und was danach kommt. . ..

Allen Ginsberg Kaddish

 Ich selbst, jedenfalls, vielleicht so alt wie das Weltall – und das stirbt wohl mit uns – genug, um alles Kommende auszulöschen – Was immer auch kam, ist immer auf ewige Zeiten vergangen . . .

 Allen Ginsberg, Kaddisch

Ich selbst, jedenfalls, vielleicht so alt wie das Weltall – und das stirbt wohl mit uns – genug, um alles Kommende auszulöschen – Was immer auch kam, ist immer auf ewige Zeiten vergangen . . .

 Allen Ginsberg, Kaddisch

„Als Knabe bin ich einmal in einen tiefen Brunnen gefallen, aus dem ich viele Jahrzehnte lang nicht mehr heraus konnte. Da war ein Unsterblicher, der führte mich zu diesem Kraut. Man muss aber durch rotes Wasser, das ist so schwach, dass keine Feder darauf schwimmen kann. Alles, was darauf kommt, sinkt in die Tiefe. Der Mann zog einen Schuh aus und gab ihn mir. Auf dem Schuh fuhr ich über das Wasser, pflückte das Kraut und aß es. Die Leute an jenem Ort weben Matten aus Perlen und Edelsteinen. Sie führten mich in einen Raum, davor war ein Vorhang aus einer bunten, dünnen Haut. Sie gaben mir ein Kissen aus schwarzem Nephrit geschnitzt, darauf war Sonne und Mond, Wolken und Donner eingeschnitten. Sie deckten mich zu mit einer feinen Decke, die war aus den Haaren von hundert Mücken gesponnen. Diese Decke ist ganz kühl und im Sommer sehr erfrischend. Ich befühlte sie mit der Hand, da schien sie mir aus Wasser zu sein; als ich näher zusah, da war es lauter Licht.“

 

Aus Morgenhimmel, ein Chinesisches Märchen. „Chinesische Volksmärchen  - gesammelt und aus dem Chinesischen übertragen von Richard Wilhelm“, Leipzig 1914.

 

Was nun Dichter angeht,

die Erd-Dichter,
die kleine Gedichte schreiben,
brauchen Hilfe von niemand.

Gary Snyder

Die Transsubstanziation der Oblate und des Weins in Leib und Blut des Heilands . . gibt das Theorem des lyrischen Gedichts. Notwendig erscheint der Glaube an die Möglichkeit: Visionäres zu fixieren.


Es soll nicht gesagt werden, daß grundlegende Faktoren allein, zwingend Lyrisches bedingen. Komparserie und Weihrauch . . sind erforderlich.


Bleibt zu notieren: daß das Originäre nicht absolut primär zu sein hat (Zeugung und Geburt!): wie das Erlebnis das Wort herbeiziehen kann (herbeizieht): so kann das Wort zum Erlebnis führen. 

 

Hans Leybold


„Wozu bin ich? Wozu nutzt dieses Leben? Die Antwort: Damit du hier bist."

Walt Withman