Es gibt die einen und es gibt die anderen Seiten. In diesem Blog möchte ich als Dingefinder die anderen Seiten desselben publizieren. Denn diese machten sich auf ihre Art selbstständig. . .
Aus Dingefinders unergründlicher Plaudertasche oder: Die Vöglein auf dem Felde. . .
Ich habe gerade eine Zahl gelesen, die mich nachdenklich macht: Von den Jungvögeln, die ein Singvogelpaar im Jahr großziehen, werden letztendlich zwischen 10 und 20 % das Erwachsenenalter erreichen.
Von den Pflanzen kenne ich ähnliche Zahlen: Die Menge der Eicheln zum Besipiel ist nicht gedacht zur Weitervermehrung großer Menge, sondern ein Geschenk an Eichelhäher und Eichhörnchen, welche die Samen der Bäume als Winterfutterreservoir in weiteren Entfernungen vergraben. Das meiste der Eicheln wandert in Mägen.
Ist ja wie beim Getreide auch: Nur ein Teil wird wieder ausgesät, der Rest wandert als Backwaren etc. in unsere Mägen.
Auch, dass Insekten wie Mückenlarven etc. und Krebstierchen wie zum Beispiel der Krill, das Walfischfutter, in großen Mengen in anderen Tiermägen verschwindet ist mir bewusst.
Vielleicht ist es, dass mir die kleinen Sänger so nahestehen, was mich nachdenklich macht. Da habe ich eine Empathie, die ich für eine Mückenlarve sicher nicht hege.
Schon als Kind habe ich mich jedem aus dem Neste gefallenem Vögelchen angenommen, auch wenn meine Rettungsversuche zumeist umsonst waren.
Wie unglaublich verschwenderisch die Natur doch ist, auch mit dem Leben von Wesen. Ist das Grausamkeit? Gibt es so etwas wie "die Natur" überhaupt, oder "verwesentliche" ich hier etwas, das so gar nicht existent ist. "Die Natur", "Gott", Versuche mit etwas Unnennbaren zurecht zu kommen. Und ich sitze hier am Schreibtisch, schaue aus dem Atelierfenster hinaus in den Garten, schaue den Vögeln zu, den Amseln, den Meisen, sehe das freundliche Grün, und mich überkommt eine Geborgenheitswelle.
Trotzdem ich weiß, was sich dort abspielt. Ich Mensch bin ein seltsames Wesen. . .
Geschrieben in meinem KleinHäuschen 2013 in Bremen. Photo von Christiane by Pixabay
Lilien weiß und Rosen rot - Gedichte zu Lilien und zu Rosen
Und ich glaube an die gold'nen Schwellen, Wo die wirren, rothen Düfte quellen, Wo im Winde hohe Lilien schaukeln, Wo dich Träume wundersam umgaukeln.
Lisa Baumfeld
Ankunft
Lilie, auf die ich meine Strahlen male, Öffne den Kelch dem süßen Licht entgegen, Dein Frühling, der dir naht auf Sonnenwegen, Steigt inbrunstleuchtend von dem hohen Saale.
Lilie, die mein ist, der ich mich vertraue, Mein Schöpfer will, daß ich dich lenzlich kiese, Aus blauen Firmamenten sehnend fließe Mein Kuss in dich mit perlenreinem Taue.
Reinhard Johannes Sorge
Ich und Du
Wir träumten voneinander Und sind davon erwacht, Wir leben, um uns zu lieben, Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume, Aus deinem trat ich hervor, Wir sterben, wenn sich eines Im andern ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern Zwei Tropfen, rein und rund Zerfließen in Eins und rollen Hinab in des Kelches Grund.
Friedrich Hebbel
Nachtgesang
Sieh, die Treppen des Gebirges Kam die Nacht heraufgestiegen, Und sie pflückte alle Abendrosen ab.
Sieh, die Treppen des Gebirges Kam der Mond heraufgestiegen, Und er pflanzte Stille weiße Lilien ein.
Wie sie zitternd Blüten treiben Hoch und leuchtend in die Nacht.
Hör, die Treppen meines Hauses Sehnsucht kommt heraufgestiegen, Und sie pflückt mir meine roten Rosen ab.
Mädchen, kämst du wie ein Vollmond Still herauf auf meiner Treppe, In die Brust mir Deiner Brüste Lilien pflanzend,
Daß sie große Blumen tragen Weiß und traumhaft in die Nacht.
Ernst Wilhelm Lotz
Schwermut
Hinter langen Liliensäumen, Die um schlanke Beete liefen, Schliefen, schliefen Rote Rosen schwer in Träumen.
Manchmal weckten sie Fontainen, Die am Abend lauter sangen, Und befangen Fasste sie ein fernes Sehnen.
Und es seufzten auf die zarten Rosen in den bleichen Zweigen. Tiefes Schweigen -. Doch voll Düfte stand der Garten.
Camill Hoffmann
Hülle Dich, Liebste, in weiße Gewänder, Ehe die Saite zerspringt. Lächle im Saale der Engel und Rosen, Laß Dir die kindliche Stirne kosen, Ehe das Echo verklingt.
Hugo Ball
Wo du wanderst, Blühen die Rosen träumerischer,
Wo deine Stimme tönt, Ist ein Echo aus himmlischen Sphären.
Wo deine Hände Gaben reichen, Lacht der Frühling aus allen Beeten.
Wo du liebst, Geht die Welt in Flammen auf!
Hans Bethge
Und ich glaube an die goldnen Schwellen - Aus: Glaubensbekenntnis, Lisa Baumfeld, geboren am 27. April 1877 in Wien; gestorben am 3. Februar 1897 ebenda. Lisa Baumfeld erkrankte schwer und verstarb innerhalb weniger Tage im Alter von 19 Jahren in Wien. Postum gab Ferdinand Groß 1899 eine Sammlung ihrer Gedichte unter dem Titel „Gedichte“ heraus.
Ankunft - Aus: Nachgelassene Gedichte, Vier Quellen Verlag 1925, Reinhard Johannes Sorge, geboren am 29. Januar 1892 in Rixdorf, heute Berlin-Neukölln; gestorben am 20. Juli 1916 in Ablaincourt an schweren Verwundungen, die er sich bei der Schlacht an der Somme zugezogen hatte. Dichter und Dramatiker. Mit seinem Stück Der Bettler, auf Vorschlag von Richard Dehmel mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet, wurde er der Begründer der expressionistischen Dramatik.
Ich und Du, Friedrich Hebbel (1813 - 1863)
Nachtgesang, Ernst Wilhelm Lotz, geboren am 6. Februar 1890 in Culm an der Weichsel, Westpreußen; er fiel als Kriegsfreiwilliger am 26. September 1914 bei Bouconville, Frankreich. Er war Lyriker und Übersetzer, unter anderem übersetzte er Gedichte von Arthur Rimbaud und Paul Verlaine.
Schwermut - Aus: Adagio stiller Abende, Gedichte von Camill Hoffmann, Verlegt bei Schuster & Loeffler Berlin und Leipzig 1902 Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet.
Hülle Dich, Liebste, in weiße Gewänder. . . Hugo Ball - Aus: Emmy Ball-Hennings: Hugo Ball - Sein Leben in Briefen und Gedichten; Mit einem Vorwort von Hermann Hesse; S. Fischer Verlag Berlin 1930
Wo du wanderst. . . aus: Hans Bethge Lieder an eine Kunstreiterin 1922 Gyldendalscher Verlag Berlin. Hans Bethge, geboren am 9. Januar 1876 in Dessau; gestorben am 1. Februar 1946 in Göppingen, Dichter, machte sich einen Namen durch seine Nachdichtungen orientalischer Lyrik.
Musik: Gert Wilden jun., aus: Die Schneekönigin 2002; Schumann, Dichterliebe - „Ich will meine Seele tauchen“; Moondog, Frost Flower; Anton Webern, Zwei Lieder op. 19, Goethe Weiß wie Lilien; King Crimson, Peace - A Theme; Laurie Anderson, White Lily; Schumann, Dichterliebe - „Die Rose, die Lilie“; Moondog, Sand Lily; Mark Levant, aus: The Woman in Green 1945.
Dichterliebe
Ich will meine Seele tauchen In den Kelch der Lilie hinein; Die Lilie soll klingend hauchen Ein Lied von der Liebsten mein.
Das Lied soll schauern und beben Wie der Kuss von ihrem Mund, Den sie mir einst gegeben In wunderbar süßer Stund'.
* * *
Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne, Die liebt' ich einst alle in Liebeswonne. Ich lieb' sie nicht mehr, ich liebe alleine Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine; Sie selber, aller Liebe Bronne, Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.
Fritz Wunderlich, Tenor; Hubert Giesen, Piano Heinrich Heine, aus: Buch der Lieder, vertont von Robert Schumann
Weiß wie Lilien, reine Kerzen,
Sternen gleich, bescheidner Beugung,
Leuchtet aus dem Mittelherzen
Rot gesäumt die Glut der Neigung.
(So frühzeitige Narzissen
Blühen reihenweis im Garten.
Mögen wohl die Guten wissen,
Wen sie so spaliert erwarten.)
Johann Wolfgang von Goethe, Anton Webern, Zwei Lieder, op. 19
John Alldis Choir Members of the London Symphony Orchestra/Pierre Boulez
Laurie Anderson - White Lily
What Fassbinder film is it? The one-armed Man walks into a flower shop and says: What flower expresses Days go by And they just keep going by endlessly Pulling you Into the future.
Days go by Endlessly Endlessly pulling you Into the future.
And the florist says: "White Lily."
Filmschnipsel und Bilder unter anderem aus: The Woman in Green 1945; Spencer Roth-Rose, White Lily (2017)
Dingefinders
LYRA: LYRA ist die Abkürzung für LYrikRAdio und bezieht sich auf
die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube dazu gekommen. Das
Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der Blog (Die
Anderen Seiten) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die Reihe
wird fortgesetzt.
Wenn schon alles gesagt, gesehen und gehört worden
ist, ist die Collage vielleicht die Kunstform der Zukunft.
Der Sonntag ist ein Regentag, so dass ich mich nicht bewegen mag. Soviel, sovieles vorgenommen, doch draußen ist die Welt verschwommen. Gestern glücklich, heute müd, wenn man die Welt wie durch Milchglas sieht.
Eines ist wohl sicher richtig: auch das Glück ist äußerst flüchtig. Lohnt nicht, dran festzuhalten, naht ihr wieder, flüchtige Gestalten. Ja, das Glück ist äußerst scheu, drum entdeck es täglich neu: Du kannst glücklich sein, solang du nicht vergisst, dass jedes Glück ein Augenblicksglück ist.
Das gilt auch für Schulze, Müller, Meier
Also sprach der Pfarra Noia
Die Mittwochspredigt des Pfarra Noia:
So manche, mancher hängt da gern seinen Karren an ´nen Stern
Sündigen so ganz verstohlen, um dann unverhohlen, zur Beichte gehn, so bleibt die Selbstbefleckung ungeschehn,
wobei letzteres ja eigentlich nix Schlimmes ist, es sei denn, er glaubt den ganzen Mist, und so mancher glaubt, und lebt, was der Algorithmus an ihn klebt
Stirbt die Kuh, wird die Butter teuer
Also sprach der Pfarra Noia
* * *
Frau Klapproth heute in der Ehrenloge im rosasamtenen Theatersaal. Sie genießt dort ihre Lieblingsdroge, Meister Laya predigt wieder mal.
Tief in seinen weisen Wortfluss einzutauchen, das ist ihr innerlichst Begehr, dabei die eigne Seele auszuhauchen, Hingabe ohne Gegenwehr.
Dafür ist sie auch bereit zu Zahlen, in Münzen kling und Scheinchen knister. Diese Tätigkeit bereitet ihr recht wenig Qualen, ist doch ihr Bettgenoss A. D. - Minister.
So hat alles seine Richtigkeit, die Weisheit, das Geld und die Moral. Und dunkler dämmen sich die Lichter, dort, im rosasamtenen Theatersaal.
* * *
traudingsbums ne ne
kaldaunen im schnee
krakauer auf halde warte nur balde
frutti di mare von der wiege bis zur bahre
Zuguterletzt ein guter Rat:
Willst du auffallen in Kaufhallen, dann musst du draufknallen auf die Eier, dass es patscht. Und matscht. Und sagen: Was ist dabei? Jetzt laufen sie frei!
Ein guter Rat ist nie zu teuer
Also sprach der Pfarra Noia
Pfarra Noias Tageslosung für Freitage:
Weißt du schon oder glaubst du noch? Was glaubst denn Du?
Ringelreihen oder Blindekuh?
Ich seh etwas, was du nicht siehst, oder lieber Schiffeversenken, das Spiel der neuen Zeit, Himmel und Hölle zu verschenken, es ist soweit sei bereit:
Vor allen Dingen den Tag in milder Agonie verbringen „Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein. . .“ Wenn nachts der Bildschirm flimmert, himmelwärts der letzte Stern verschimmert
Was glaubst denn Du? Ach, weiß der Geier -
Also sprach der Pfarra Noia
Lebe grenzenlos
Lebe grenzenlos. Dein Heimatland: Die Blüte am Wegesrand
Glaube niemandem mehr. Dein Weg ist, wo Du Dein Herz spürst. Es ist nicht schwer
Es gibt nichts, was Du verlierst. Die Welt ist so groß. Lebe grenzenlos
Verwendete Musik:
The Westcoast Workshop - The Dowser And The Thaumaturgist (1967) Bruno Spoerri - Brogues In Robes Kali Bahlu - How Can I Tell My Guru? (1967) Cacique & his Tribe - Spooky Doo Uhura singing
Dingefinders LYRA: LYRA ist die Abkürzung für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der Blog (Die Anderen Seiten) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die Reihe wird fortgesetzt.
Wenn schon alles gesagt, gesehen und gehört worden ist, ist die Collage vielleicht die Kunstform der Zukunft.
Zur Erinnerung an den Musiker (Christopher) Daevid Allen, der am 13. 3. 2015 verstarb
Geboren 1938 in Melbourne kam er 1961 nach Europa, zunächst nach Paris, dann nach London, wo er 1963 mit Bassisten Hugh Hopper und dem Schlagzeuger Robert Wyatt das Daevid Allen Trio gründete, aus dem die Band Soft Machine hervorging.
1968 gründete er dann die legendäre Gruppe Gong. 1976 stieg er (zusammen mit seiner Frau Gilli Smyth) aus der Band aus und nahm ab da Alben unter eigenem Namen und mit wechselnden Musikerinnen und Musikern auf, mit Here & Now / Planet Gong (1978); Gilli Smyth / Mother Gong, mit Invisible Opera Company of Tibet, Magick Brothers, University of Errors, Acid Mothers Temple (2004) und anderen.
Daevid Allen starb am 13. März 2015 im Alter von 77 Jahren in seiner australischen Heimat. Sein Sohn Orlando schrieb einen Nachruf, den er mit Versatzstücken aus Allens Texten und Pseudonymen begann: „And so dada Ali, bert camembert, the dingo Virgin, divided alien and his other 12 selves prepare to pass up the oily way and back to the planet of love.“
Garden Song (1995)
What shall we grow in your garden, my dear If my seed comes to breed in your nursery? A dolphin or a Deva or a true devotee So your love might never grow thirsty
For a soul is so real and so whole and so free And a body is so frail and so human are we Are we dreaming? Is this the Earth dreaming too? Will we live till we die, wondering why Or will we learn to grow
Day by day by Day by day by day?
With the fruit of your labour asleep at your breast Will you nurture them softly and quietly? And when, next thing, the offspring have flown from the nest Can you love them and let them go quietly?
For a soul is so real and so whole and so free And a body is so frail and so human are we Are we dreaming? Is this the Earth dreaming too? Will we live till we die, wondering why Or will we learn to grow
Day by day by Day by day by Day by day by day?
And here comes the autumn when leaves turn to gold And the waning moon silvers me lightly In the afternoon sun, it's good fun to grow old As you hold me and lie with me For your love is so real and so whole and so free
And your body is so frail and so human are we Are we dreaming? Is this the Earth dreaming too? Will we live till we die, wondering why Or will we learn to grow
Day by day by Day by day by Day by day by day?
And when old Father Time rings the chimes of my years And I see my life turning around me When you lay me down in your garden, my dear Will you kiss me and let me go lightly?
For a death is so real and so whole and so free And a body is so frail and so human are we Are we dreaming? Is this the Earth dreaming too? Will we live till we die, wondering why Or will we learn to grow
Day by day by Day by day by Day by day by Day by day by Day by day by Day by day by Day by day by day?
Ich habe ein Geheimnis. Es ist mein ganz eigenes Geheimnis, und so lange ich es niemanden erzähle, bleibt es auch das: Mein ganz eigenes Geheimnis. Es gibt wohl verschiedene Arten Geheimnis. Zum einen die, welche man gerne verschweigen möchte, die kleinen Sünden und Unebenheiten der Seele. Das möchte dann eher "bei sich" behalten werden, und ist doch für scharfe Augen sichtbar: Offene Geheimnisse.
Oder diese Art Geheimnis: Der geheime Name, der nicht genannt werden darf, da sonst andere Wesen Macht über dich erringen können. "Oh wie schön, dass niemand weiß. . ."
Doch mein Geheimnis gehört weder zur ersten noch zur zweiten Art. Es ist einfach nur darum ein Geheimnis, weil es unaussprechbar ist. Ein Geheimnis, für das der schöne Ausdruck "unwörterbar" erfunden wurde. Es ist ein gutes Geheimnis. . .
(Die Illustration zeigt einen Scherenschnitt um 1900)