Endlich, nach längerer Zeit, komme ich einmal wieder dazu, mit meiner Kolumne Deutungen fortzufahren. Ich hatte viel um die Ohren, es gab dementsprechend viel zu tun, und ich tat dementsprechend viel. Da wurde ich jäh gestoppt: Mein Knie spielte nicht mehr mit. Nun verbringe ich viel Zeit im Bett und kann mir so meine Gedanken machen. Zum Beispiel zum Thema "viel tun" oder zum Thema "Welt retten". Warum ich mich zum letzteren Thema nicht berufen fühle, mich zu äußern, darüber habe ich mir heute Gedenken gemacht. Im Bett.
Ich bin begrenzt. Begrenzt und eng in meinem Denken. Ich vermag es nicht, mir globale Lösungen auszudenken, und auch nicht, für globale Lösungen einzustehen. Ich hatte schon seid ich denken kann eine gewisse Scheu vor Maschinen. Also Maschinen im herkömmlichen Sinne: Traktoren, Fräsen, Bohrmaschinen, Kettensägen, Kraftfahrzeuge allgemein, und so weiter. Wenn ich es irgendwie vermeiden konnte, habe ich solcherart Maschinen nicht bedient. Ich habe lange Jahre im Gartenbau und in Baumschulen gearbeitet, dort jedoch mit Spaten und Rosenschere und Hacke und Harke. Auch solche Menschen braucht(e) man dort. Sicher, wenn es gar nicht anders ging habe ich auch schon einmal mit einem Traktor und einem Drei-Schar-Wendepflug einen Acker gepflügt. Aber nicht gerne. Und mit einer Kettensäge habe ich noch nie gearbeitet. Und Auto fahren mag ich auch nicht. Alles das nicht.Dabei bin ich kein Maschinenstürmer, und ich sehne mich auch nicht nach irgendwelchen vergangenen Zeiten zurück, alles Vergangene endete im Heute. Auch lebe ich deshalb gerne in Gemeinschaften. Mit Menschen zusammen, die diese Scheu vor Maschinen nicht haben. Dafür kann ich dann in der Küche werkeln, zum Beispiel. Küchenmaschinen nutze ich durchaus, Passierstab und Mixer und was es so gibt. Sicher, kleine Mengen Pesto bereite ich lieber im Mörser, von Hand. Doch koche ich auch häufiger für größere Gruppen.
Eine Maschine benutze ich sogar gerne, das ist mein Laptop, Produktionsmittel für Texte und Videos, Kommunikationsmittel und Fernseher und Stereoanlage in einem. Möchte ich nicht misse. Auch wenn ich ohne kann. Musizieren zum Beispiel. Eine Zeitlang nutzte ich Loopprogramme, doch das ist kein Vergleich zum Musizieren mit natürlichen (unverstärkten) Instrumenten. Letzteres gerne auch mit anderen Menschen zusammen.
Auch lebe ich nicht gerne in der Stadt. Trotzdem ich es eine recht lange Zeit lang musste. (Oder vermeintlich musste), die Umstände spielen im Moment keine Rolle. Also: Ich besitze eine Abneigung gegen Arbeit mit Maschinen, gegen Städte, besonders Großstädte, und gegen Alleinsein. Letzteres nicht in dem Sinne, dass ich nicht mit mir Alleinsein könnte. Ich kann das sehr gut und gerne. Doch ich bin als Mensch ein sozialer Mensch, der gerne etwas mit anderen zusammen macht. Und dass nicht nur aus Gründen, dass ich alleine so wenig bewerkstelligen kann (siehe zum Beispiel Maschinen)
Aus all diesen persönlichen Dispositionen heraus habe ich eine persönliche Sicht auf die Dinge erarbeitet. Zum Beispiel, dass die natürliche Fortbewegungsart des Menschen das Gehen ist. Und er es möglichst dabei belassen sollte. Wieso soll ich meinen Körper umgeben mit einer Tonne Blech und angetrieben von einem Explosionsmotor auf einer nur zu diesem Zweck asphaltierten Straße fortbewegen, wenn ich ebenso gut auch zu Fuß auf einem Feldweg oder einen Trampelpfad machen kann, um von a nach b zu kommen? Ich erkenne den Sinn darin nicht. Sicher, ich bin dann schneller bei b, doch ich möchte mir mein Leben lieber so einrichten, dass ich die Zeit habe, in meinem Zeitmaß dahin zu kommen.
Genau aus diesen und anderen Dispositionen heraus maße ich mir nicht an, Lösungen für die drängenden Probleme der Menschheit zu formulieren. Und wenn ich das täte, wären sie sicher sehr radikal. Durchsetzen könnte ich meine Lösungen sowieso nicht. Da ich pyramidale Herrschaftsstrukturen ablehne. Zugunsten von Konsenslösungen. Einstimmigen Konsenslösungen. Meine Lösungsüberlegungen bleiben eher philosophischer Art. Und praktisch versuche ich möglichst so zu leben, dass ich mir vorstellen kann, dass mit der Art meines materiellen Verbrauches hochgerechnet alle Menschen satt und gewärmt leben können. Ich glaube nicht daran, dass es allen Menschen zustehen kann, ein Auto, ein 120qm – Eigenheim und was weiß ich noch alles zu besitzen. Weniger ist hier mehr. Und Glück hängt davon schon gar nicht ab. Vielleicht sollten wir darüber einmal sprechen: Was und wieviel braucht ein Mensch zum Glücklichsein. Und was und wieviel ist davon allen Menschen möglich. Auch in Zukunft, wenn wir noch mehr Menschen sind.
Ich denke, dass ich nicht der Einzige bin,
doch gestehen wir es uns ein:
Wir werden immer die Wenigen sein.
. . . und rieselte und floss und sang: Was möchtest du wissen?
Und es roch so nach Äpfeln und Nüssen.
Das Bild ist von Leo Gerstel (1881 - 1941) mit dem Titel Landweg in Bergen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen