Einfach ein paar Tage übersprungen, doch keine Übersprungshandlung. Alles entwickelt sich aus sich selbst heraus .
8. August
Heute das erste Mal mit den gesammelten Schafgartenstengeln das I Ging ausgezählt. Heraus kam dabei die 61: Dschung Fu - Innere Wahrheit. „Über dem See weht der Wind und bewegt die Oberfläche des Wassers. So zeigen sich sichtbare Wirkungen des Unsichtbaren. Das Zeichen besteht oben und unten aus festen Strichen, während es in der Mitte frei ist. Das deutet auf die Freiheit des Herzens von Voreingenommenheiten, so dass es Fähig ist zur Aufnahme der Wahrheit. Die beiden Teilzeichen haben umgekehrt in der Mitte einen festen Strich. Das deutet auf die Kraft der inneren Wahrheit in ihren Wirkungen.
Die Eigenschaften der Teilzeichen sind: oben Sanftheit, Nachgiebigkeit gegen die Unteren, unten Fröhlichkeit im Gehorsam gegen die Oberen. Solche Zustände schaffen die Grundlage eines gegenseitigen Vertrauens, das Erfolge ermöglicht.
Das Zeichen Fu (Wahrheit) ist eigentlich das Bild eines Vogelfußes über einem Jungen. Es enthält die Idee des Brütens. Das Ei ist hohl. Die Kraft des Lichten muss belebend von außen wirken. Aber es muss doch schon ein Keim des Lebens im Innern sein, damit das Leben geweckt werden kann. Es lassen sich weitgehende Spekulationen an diese Gedanken knüpfen.“ (I Ging in der Übersetzung von Richard Wilhelm)
Das war ein sehr guter Beginn des kommenden Neuen. Ein Beginn im Fluss. Auch heute in der Klosterkirche getönt, zu dritt. Viel Gesang, auch eines meiner neuen Lieder „Verborgen“, auch „Freiheit goldener Vogel“ wurde angestimmt, ansonsten viel Improvisation und einige Übungen. Mit dem gesamten Text zu dem von mir gezogenen Zeichen werde ich mich die nächsten Tage noch intensiv auseinander (und zusammen) setzen.
9. August
Gestern noch einmal über das I Ging – Orakel nachgedacht, ebenso wie heute früh, als wir auf dem Obstanger das Heu zusammengerecht hatten. Es wurde dort wieder einmal gemäht.
Hier noch einmal weiter im Text der Auswertung des von mir gezogenen Hexagrammes:
"Das Urteil
Innere Wahrheit. Schweine und Fische. Heil!
Fördernd ist es, das große Wasser zu durchqueren.
Fördernd ist Beharrlichkeit.
Schweine und Fische sind die ungeistigsten und daher am schwersten zu beeinflussenden Tiere. Die Kraft der inneren Wahrheit muss einen hohen Grad erreicht haben, ehe sich ihr Einfluss auch auf solche Wesen erstreckt. Wenn man solchen widerspenstigen, schwer zu beeinflussenden Menschen gegenübersteht, beruht das ganze Geheimnis des Erfolgs darauf, dass man den richtigen Weg findet, um Zugang zu ihnen zu finden. Man muss sich erst innerlich ganz frei machen von seinen Voreingenommenheiten. Man muss sozusagen die Psyche des andern ganz unbefangen auf sich wirken lassen; dann kommt man ihm innerlich nah, versteht ihn und bekommt Macht über ihn, so dass die Kraft der eigenen Person durch die geöffnete Pforte Einfluss auf den andern gewinnt. Wenn man so keine Hindernisse unüberwindlich findet, dann mag man auch die gefährlichsten Dinge unternehmen – wie das Durchqueren des großen Wassers – und es wird gelingen. Nur ist es wichtig, dass man versteht, worauf die Kraft innerer Wahrheit beruht. Sie ist nicht identisch mit einfacher Intimität oder geheimem Zusammenhalten. Solch intimes Zusammenhalten kann auch unter Räubern stattfinden. Auch in diesem Fall bedeutet es freilich eine Kraft. Aber sie gereicht nicht zum Heil, weil sie nicht unüberwindlich ist. Alles Zusammengehen auf Grund von Interessengemeinschaft geht nur bis an einen gewissen Punkt. Wo die Interessengemeinschaft aufhört, hört auch das Zusammenhalten auf, und intimste Freundschaft schlägt oft in Hass um. Nur wo die Grundlage das Rechte, die Beständigkeit ist, bleibt die Verbindung so fest, dass sie alles überwindet."
Nun möchte ich mich ja den Bewertungen weitestgehend entziehen. „Ungeistigste“ wäre hier zum Beispiel nicht meine Wortwahl. Das schon einmal zu „Man muss sich erst innerlich ganz frei machen von seinen Voreingenommenheiten“ Ich möchte auch keine Macht über Menschen gewinnen und Einfluss nehmen auf andere nur im beiderseitigen Einverständnis. Hier liest sich das für mich wie ein Anleitungsbuch des Herrscherwissens.
Wenn die Kraft meiner inneren Wahrheit einen hohen Grad erreicht hat, dann kann das auch daran liegen, dass ich meiner inneren Quelle sehr nahe bin, und dass ich ein hohes Maß an Unabhängigkeit in meiner Seele kultiviere, ohne die Liebe zu den Wesen dabei verloren zu haben. Daraus ergibt sich dann eine authentische Kommunikation, die deckungsgleich mit dem ist, was ich in mir trage. Diese vermag zu wirken, auch und gerade dann, wenn ich in Leistungspositionen gestellt bin. Nun ist es so, dass ich in einem nichthierachischen System Leitender bin, in der Gemeinschaftsküche, in der Wilden Sollingküche, bei Texte und Töne. Da ist ein Geben und Nehmen vonnöten, und ein fast schon naiv zu nennendes Menschenbild, das weiterhin um den guten Kern in jeden Menschen weiß, auch und gerade da, wo dieser tief verschüttet liegt. Von gutem Kern zu guten Kern zu kommunizieren kann dann unter gewissen Umständen gelingen. Und dafür braucht es das innere Freisein von den Voreingenommenheiten.
„Fast schon naiv“ will meinen, dass ich dadurch für Außenstehende für etwas blauäugig gehalten werden kann. Was dann oft mit „dumm“ gleichgesetzt wird. Ich sehe schon sehr deutlich, wo und oft auch warum Menschen in meiner Umgebung ihren Egoismen folgen. Auch, wo welche eine gewisse Gier zu was auch immer an den Tag legen. Ich nehme das sogar oft sehr genau wahr. Handle ich doch selber nicht altruistisch oder „selbstlos“. Nur haben die Koordinaten meines Egoismus ein anderes System als das Koordinatensystem vieler anderer. Ich möchte glücklich und gesund leben, auch habe ich eine Künstlernatur, ich möchte mich zeigen. „Du hast aber auch narzißtische Züge“, sagte eine befreundete Psychologin zu mir. Ich antwortete: „Ja, sicher, sonst könnte ich kein Künstler sein!“. Auf jeden Fall kein Künstler, der gerne vor Publikum auftritt.
Auch möchte ich ein gutes Leben leben. Das bedeutet für mich gute Ernährung, einen guten Wohnort, Menschen, die mir gut tun um mich herum. Dafür tu ich gerne etwas. Wenn ich denn schon mal in Leitungspositionen gerate, dann soll diese Tätigkeit nicht mit Abstrichen an dem Genannten verbunden sein. Um gute Nahrung, einen guten Wohnort und gute Menschen um mich herum zu haben, dazu noch Mu0e, den künstlerischen Neigungen und meinem natürlichen Hang zur Faulheit nachzugehen, bedarf es vor allen Dingen eines: Zeit. So versuche ich denn, diese Zeit nicht mit wenig zielführenden Tätigkeiten zu verbringen. Wobei müßig im Bett zu liegen und zu lesen und Musik zu hören durchaus zu den zielführenden Tätigkeiten gehört. Denn das Ziel heißt: Wohlfühlen.
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