Seiten

Sonntag, 23. August 2026

Deutungen: 12., 13. und 15. August 26

 



12. August


„Wir werden wohl immer die Wenigen sein“ - Wenn ich von meiner Utopie berichte, dann berichte ich von dem, was ich mir wünschen würde für die Menschen. Ich dränge da nicht nach Verwirklichung, sondern ich forsche in mir selbst, in wie weit ich meiner eigenen Utopie gerecht werde. Diese ist meine Quelle im Pfirsichblütenwald. In Deutschland leben zur Zeit etwa 25% der Menschen dörflich, und davon sind wiederum nur ein paar Handvoll ähnlich gestrickt wie ich. Wir leben verstreut, und das einzige, was wir sagen können, ist: „So wollen wir leben, und dafür stehen wir ein!“

Schon genügend "Ja, aber"- Diskussionen habe ich darüber schon geführt. Darum geht es mir hier nicht. Es geht um meinen eigenen inneren Kompass. Welche meiner Handlungen stehen dem näher, welche entfernen sich weit davon, und inwiefern muss ich Kompromisse eingehen. 

Ich habe keine Pläne in der Schublade, wie wir als 8-Milliarden-Volk auf diesem begrenzten Planeten zusammen leben sollten, oder eher, wie wir zusammen zu einem friedlichen Miteinander kommen. Für mich sind Prioritäten für alle Menschen: Genügend zu Essen, ein Dach über den Kopf, Wärme, Soziales Miteinander, Gewaltlosigkeit. Selbstbestimmung und Mitbestimmung. Wohlgemerkt: Für alle Menschen. Mithilfe an der und Mitarbeit in der Gemeinschaft für jede und jeder nach seinen und ihren Fähigkeiten. Das alles sollten Selbstverständlichkeiten sein, global. Garantiert und ohne Ausnahme und ohne „Warum?“.

Erst wenn das gewährleistet ist, können wir uns darüber unterhalten, wie wichtig es wäre, dass jede und jeder ein Smartphon, ein Auto, zweihundert Quadratmeter Wohnfläche mit einem Riesenbildschirm im Wohnzimmer und ähnliches haben sollte. Erst wenn sichergestellt ist, dass niemand hungert, obdachlos ist, friert und ohne medizinische Versorgung ist, dann kommt das Verhandeln um den Luxus für alle, so viel Luxus, wie wir dem begrenzten System Planet Erde abgewinnen können ohne die Biosphäre zu zerstören. Und das nicht nur heute, sondern weiterhin, Zukunft inklusive wir haben als Menschheit noch ungefähr drei Milliarden Jahre hier zu verbringen.

So weit für heute. Gleich treffen wir uns, um den entstehenden Kräutergarten zu besprechen, und ich hoffe, dass auch meine Frage nach dem „wie“ eines Baues eines Fahradklingekldeckelxylophons beantwortet wird.

Noch eine kurze Nacherzählung sei erlaubt, während ich in der Küche sitze und warte: Gestern durften wie die erste reife Feige ernten von der Pflanze, die ich vor drei Jahren als kleines Ding kaufte und erst einmal in einen größeren Topf setzte. Nun hat sie zwei Winter im Flur verbracht, in Kürze wird sie in einen größeren Topf verbracht, und darf noch einen Winter inhouse verbringen. Dann werde ich es vielleicht wagen, sie nach draußen zu pflanzen, an einer warmen Südwand. Die Sorte ist „Brown Turkey“, und sie gilt als eine der winterhärtesten und reichtragensten überhaupt. Zu Feigen ließe sich einiges sagen. Erst einmal: Ich liebe Feigen. Ein Grund, warum ich eine her geholt habe. Nun ist sie erst einmal ein Gehölz mit Feigenblättern („Das Feigenblatt ist das Blatt der Feigen“, wusste Joachim Ringelnatz dazu zu sagen), und süßen Früchten. Sie ist eine der am frühesten domestizierten Nahrungspflanzen.

Das Befruchtungsgeschehen der Ficus carica ist kompliziert, und ich verkürze den Bericht hier mit der Information, dass dabei Feigengallwespen eine Rolle spielen. Für meine Brown Turkey ist das unwesentlich, da die Sorte selbstfruchtbar ist.


13. August

Zeichen lesen lernen

Ein Zeichen durfte ich heute morgen schon lesen lernen. Ich habe ein kleines Büchlein über die christlichen Zeichen aus einem Bücherkarton „zum Verschenken“ gezogen. Anlässlich meines heutigen Themas wollte ich darin lesen. Nun ist es verschwunden. Eine halbe Stunde mit der Suche verbracht, doch ist es nicht mehr auffindbar. Obwohl gestern noch in der Hand gehabt. Waren wohl die Muklas oder andere kleine koboldartige Hausgeister. Ist damit wohl heute noch nicht an der Reihe.

Die Feige. Monika Helmke Hansen schreibt dazu: „Schöpferische Idee und Bestimmung - Obwohl sie eine recht extravagante und wohlschmeckende Frucht ist, kann ich die schöpferische Idee der Feige leider auch heute nur als ungut beschreiben. So steht sie weder für eine heilende noch irgendeine spirituelle Kraft, um dem Menschen in seiner Entfaltung zu dienen.

Die Feige macht nicht nur dick, plump, ungefällig und unfrei - ich sehe vor meinem geistigen Auge wie zur Unterstreichung ein Tier, ähnlich einem Schakal -, sie macht auch noch lügnerisch.


Natürlich kannst du gelegentlich Feigen essen, wenn dir danach ist, und sie dann auch genießen, denn dogmatisch wollen wir auf keinen Fall sein. Nur würde ich die Feige nicht gerade zu einer Früchtekur oder zur Abnehmdiät nehmen.“ (Monika Helmke Hansen, Die Botschaft der Früchte - Heilkräftige Helfer in der Zeitenwende, Freiburg 1998)

Dagegen die Meinung von einer anderen Frau zur Feige, Luisa Francia: „Feigen - stärken die sinnliche Kraft der Frauen und die Abwehrkräfte, Frische Feigen sind ein beinahe nicht zu übertreffendes Heilmittel.“ (Luisa Francia, Das magische Kochbuch, Rezepte und Geheimnisse von weisen Frauen, München 2001)

Diese beiden widersprüchlichen Worte zu ein und derselben Frucht. Ich lasse das erst einmal einwirken.


15. August

Zurück zu der Feige und den zwei Frauen, die sich darüber äußerten. Monika Helmke Hansen schreibt: „GÖTTIN NATUR danke ich glücksstrahlend für alle Geschenke: für das Wissen, das sich mir öffnet wie ein stetig stärker werdender Strom, der seine Kraft aus vielen Seitenarmen erhält - damit ich auch dein Wissen durch Resonanzen freilege; für ihren Atem, den Geistwind, der mich durchströmt - damit auch du zunehmend aus diesem gemeinsamen Strom atmen kannst; für die Befreiung, die Sie mir schon geschenkt hat und weiter schenken wird - damit ich sie an dich weitergebe; für die zunehmende Freude, die Sie mir schenkt, einfach darüber, dass ich bin! Wie gerne will ich die neue Lebensfreude an dich weiterverströmen!“ (Die nicht kursiven Wörter im Text sind im Original kursiv geschrieben) (Monika Helmke Hansen, Die Botschaft der Früchte - Heilkräftige Helfer in der Zeitenwende, Freiburg 1998)

Luisa Francia über sich: „jahrelang lang fuhr ich mit meiner tochter kreuz und quer durch afrika, später zog ich allein los, um die magie der fetischpriesterinnen von ghana und der mamissis von togo, nigeria und benin zu studieren, ich wohnte bei einem zeichenfänger der ewe in benin und bei yorubapriesterinnen, um die voodoo-religion zu verstehen. ich verbrachte viel zeit mit tuaregs in der sahara, wo die frauen trommeln und sich am donnerstag abend die männer aussuchen, mit denen sie eine woche oder länger zusamensein wollen. ich traf scharlatane, nieten, weise frauen, sogar zwei weise männer. dann fuhr ich sieben jahre lang nur nach indien, nepal und tibet, ich zog allein barfuss durch das himalayagebirge, schlief bei bergbewohnern auf dem hausdach oder bei berggöttinnen auf dem schoss. das gehen allein half mir mein lied zu finden und mein eigenes universum zu spüren. seit ein paar jahren beschäftigt mich das konzept von zeit und raum. die gemessene zeit, die empfundene zeit . . .“ (Webseite Salamadra.de von Luisa Francia)

Die Botschaft der Früchte, die Monika Helmke Hansen verbreitet, basiert unter anderem auf den vierzehn Nothelfern, welchen verschiedene Früchte zugeordnet sind. (Unter anderem auch die Banane, eine Frucht, der ich kaum etwas abgewinnen kann). Wobei die vierzehn Früchte nicht jeweils einem Nothelfer zugeordnet sind. Zum Verständnis: „Die Vierzehn Nothelfer sind vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Die Gruppe besteht nach der sogenannten Regensburger Normalreihe aus drei weiblichen und elf männlichen Heiligen, von denen alle bis auf den heiligen Ägidius als Märtyrer starben. Abweichend davon gibt es regionale Varianten. In der katholischen Kirche werden die Nothelfer als Schutzpatrone im Gebet angerufen. In der evangelischen Kirche gelten sie allgemein als Vorbilder im Glauben, sofern sie überhaupt dort bekannt sind.“ (Wiki)

Die vierzehn Nothelfer sind ein Konstrukt der christlichen, vornehmlich der katholischen Kirche. Mag es daher kommen, dass die Feige so schlecht wegkommt? Oh, sinnliche Verführerin!. Mir geht es hier nicht darum, Monika Helmke Hansen bloßzustellen, sie hat ihr Konzept gefunden. Es geht um Deutungen, und hieran kann ich einmal exemplarisch vorstellen, wie das persönliche Hintergrundrauschen die Deutungen beeinflusst. Das ist genauso beim I Ging, beim Kartenlegen, beim Deuten von Zeichen allgemein. Ich muss mich lesen lernen.  

Ich liebe Feigen. In Nordwestspanien, Galicien, lebte ich eine Zeit, neben meinem Häuschen befand sich ein Feigenbaum. Zu der Zeit, als ich dort wirkte, trug er gerade reife Früchte, und ich naschte jeden Morgen davon. Dieses kleine Ritual bleibt mir in guter Erinnerung. Wohl auch ein Grund mit, dass ich mir das Feigenbäumchen kaufte. Und schon in jungen Jahren schrieb ich folgendes Gedicht (in meinem Zyklus „Wanderer“):

Ende des Wanderns

Am Ende des Weges
treffen wir uns unterm Feigenbaum.
         -  ein Feigenbaum
             so groß wie ein Berg -

Ein schlängelnder Pfad
führt in das Dorf aus dem Traum,
und wenn der Wanderer naht,
sieht er Menschen fröhlich am Werk,
sieht er Hühner scharren im Sand,
hört er die Hähne krähn,
und über weißen Wolken
wird ein Regenbogen stehn.

Im übrigen mag ich den Ansatz von Monika Helmke Hansen, den Früchten, der Nahrung überhaupt, Deutungen zu unterlegen. Ich habe dem Buch von ihr einige anregende Gedanken entnehmen können. Nicht nur das Auge, auch der Geist isst mit. Es müssen ja nicht unbedingt die vierzehn Nothelfer sein, denen ich die Früchte zuordne. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen