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Sonntag, 30. August 2026

Deutungen: 28. und 29. August



28. August

Lebenskunst: Zulassen, dass die Dinge sich selbstständig machen. Sich eingestehen, dass das eigene Handeln im Einklang mit der Zeitenergie passiert, und dass das eigene Einwirken auf die Zeitläufe gering ist. „Life is what happens to you while you're busy making other plans. - Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon)

Heute um etwa 4:30 Uhr trat der Mond in den Kernschatten der Erde ein - Mondfinsteris bei Vollmond, dem Erntemond. Sie war nicht sichtbar, da der Himmel bedeckt war. Doch so oder so, ich hätte sie verschlafen. Jedoch habe ich dieses Ereignis zum Anlass genommen, ein weiteres I-Ging-Orakel mittels meiner Schafgarbenstengel zu ziehen. Wieder unspezifisch, ohne konkrete Frage außer der nach der Zeitenergie. Wichtige Entscheidungen liegen nicht an, und wenn, könnte ich sie auch treffen, ohne das Orakel zu befragen. Darum geht es mir nicht. In der Welt zündeln gerade wieder die Patriarchen und Oligarchen, es werden kleine Ereignisse produziert, welche sich durchaus zu etwas Größerem ausweiten können. Hier eine kleine Grenzverletzung, da eine Drohung, verklausuliert doch unverhohlen, der eine Präsident versucht mit Zöllen und Umbenennungen von Gewässern zu beeindrucken, sowie durch dumme Beleidigungen und cholerische Ausfälle; der andere schickt mal da ganz unverbindlich ein Kriegsschiff hin, in die Nähe der Küste Britanniens, weit genug, um in internationalen Gewässern zu bleiben, nah genug, um sichtbar zu sein. Auch die eine oder andere Drohne verfliegt sich, und seine Maulhelden sprechen von Atombomben. Derweil rücken Landtagswahlen immer näher, und die Schreihälse nehmen den Mund voll. Sie wollen auch ein Stückchen Oligarchie abbekommen, und schmeißen sich den großen Vorbildern dafür gerne in die Arme. Von dem, was ich meine Utopie nenne, entfernt sich das Weltgeschehen weiter und weiter, dafür wird eine Kriegsgefahr realer. Um all das zu sehen brauche ich keine Glaskugel, kein Kartenlegen und auch keine Schafgarbenstängel.

Heute habe ich einmal wieder meine Schafgarbenstängel zur Hand genommen und ausgezählt. Was mich jetzt die nächste Zeit begleiten wird ist Sun - Das Sanfte, (das Eindringliche, der Wind)

Sun ist eines der acht Doppelzeichen. Es ist die älteste Tochter, hat als Bild den Wind oder das Holz, als Eigenschaft die Sanftheit, die jedoch eindringt wie der Wind oder das Holz mit seinen Wurzeln.

Das Dunkle, das an sich starr und unbeweglich ist, wird aufgelöst durch das eindringende lichte Prinzip, dem es sich unterordnet in Sanftheit. In der Natur ist es der Wind, der die angehäuften Wolken auseinandertreibt und heitre Himmelklarheit schafft. Im Menschenleben ist es die durchdringende Klarheit des Urteils, die alle dunklen Hintergedanken zunichte macht. Im Leben der Gemeinschaft ist es der mächtige Einfluss einer bedeutenden Persönlichkeit, die alle lichtscheuen Machenschaften aufdeckt und auseinandertreibt.

Das Urteil

Das Sanfte. Durch Kleines Gelingen.
Fördernd ist es, zu haben, wohin man geht.
Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen.

Eindringlichkeit erzeugt allmähliche und unscheinbare Wirkungen. Es soll nicht durch Vergewaltigung gewirkt werden, sondern durch ununterbrochene Beeinflussung. Diese Wirkungen sind weniger in die Augen fallend als die durch Überrumpelung gewonnenen, aber sie sind nachhaltiger und völliger. Damit man auf diese Weise wirken kann, muss man ein klares Ziel haben; denn nur dadurch, dass die eindringliche Beeinflussung immer in derselben Richtung wirkt, wird etwas erreicht.

Das Kleine kann nur dann etwas erreichen, wenn es sich einem bedeutenden Manne unterordnet, der die Fähigkeit besitzt, Ordnung zu schaffen.

Das Bild

Einander folgende Winde:
das Bild des sanft Eindringenden.
So verbreitet der Edle seine Gebote
und wirkt seine Geschäfte.

Das Eindringliche des Windes beruht auf seiner Unaufhörlichkeit. Dadurch wird er so machtvoll. Er nimmt die Zeit als Mittel zur Wirkung. So muss auch der Gedanke des Herrschers in die Volksseele eindringen. Auch dazu ist eine dauernde Einwirkung durch Aufklärung vonnöten. Erst wenn das Gebot in die Volksseele übergegangen ist, ist ein darauf bezügliches Handeln möglich. Unvorbereitetes Handeln schreckt nur zurück und wirkt abstoßend.
(I Ging, wieder in der Übersetzung von Richard Wilhelm).

Auch hier zeigt sich mir wieder deutlich, dass das I Ging aus einer patriarchalen Herrscherumgebung stammt. „So muss auch der Gedanke des Herrschers in die Volksseele eindringen.“ Was fange ich mit einer solchen Botschaft an? Wo ich Herrscher ablehne zugunsten gewählter Delegierten einer Konsensdemokratie? Ich entsage mich des Herrschens, und ich möchte auch nicht in eine „Volksseele“ eindringen. Diese Träume haben auf unserem Planeten viel zu viele, die einen, mit dem Wunsch zu herrschen (und sich dabei gut zu bereichern), die anderen, um beherrscht zu werden in der Hoffnung, dass sie dadurch als Nutznießer etwas vom Reichtum abbekommen. Ohne weiter Aktivität als Beherrschter zu sein.

Diesen gesamten Part der Deutung schiebe ich hier einmal beiseite. Was bleibt dann? „ Das Eindringliche des Windes beruht auf seiner Unaufhörlichkeit. Dadurch wird er so machtvoll. Er nimmt die Zeit als Mittel zur Wirkung . . . Unvorbereitetes Handeln schreckt nur zurück und wirkt abstoßend.“ Dem kann ich als Handlungsmaxime etwas abgewinnen. Auch für das, was mir persönlich für die nächste Zeit bevorsteht. Und dabei zulassen, dass die Dinge sich selbstständig machen. Die Zeit der Herrscher geht zu Ende. Auch wenn es momentan nicht so aussieht. Planet Erde ist nicht beherrschbar. Ausbeutbar schon. Schändbar schon. Aber nicht beherrschbar.

Das Eindringliche des Windes beruht auf seiner Unaufhörlichkeit. Dadurch wird er so machtvoll. Er nimmt die Zeit als Mittel zur Wirkung.“ Machen wir, die wir nicht herrschen wollen, genauso. Seien wir eindringlich ohne zu überreden. Wirken wir einfach.


29. August



Es ist hilfreich, wenn man einen Sinologen im Freundeskreis hat, wenn man sich mit dem I Ging beschäftigt. By the way, ich hatte mich im ersten Anlauf vertippt, und schrieb „Sinnolge“, was auch irgendwie passend ist. Er erklärte mir, dass die Regierenden zu der Zeit, als das Buch entstand, als „Gottkönige“ beziehungsweise „Gottkaiser“ galten, als vom Himmel installierte Herrscher, deren Macht aufgrund ihrer Herkunft nicht anzweifelbar war.

Wir sprachen dann darüber, wie diametral dem mein persönliches Weltbild entgegengesetzt ist, das auf einer konkreten Utopie einer Konsensdemokratie beruht. Hier die von oben eingesetzte Macht über die Menschen und dort die von unten nach oben delegierte Handlungsvollmacht. Ich selber wähle die Handlungen, die Parteien, die meiner Utopie einer Konsensdemokratie am Nahesten kommen. Wir beide mussten da noch klären, dass ich damit nicht die direkte Demokratie meinte, wie sie zum Beispiel in Volksabstimmungen stattfindet. Im schlimmsten Fall gehen dort die Abstimmungen 49 zu 51 Prozent aus, und der Same der Unzufriedenheit ist schon wieder gelegt. Selbst wenn das Verhältnis 20 zu 80 wäre. Direkte Demokratie ist ein System das auf Gewinner und Verlierer beruht und nicht auf Sachentscheidungen, die es auszudiskutieren gilt.

Eigentlich macht es schon Sinn, jeden Menschen erst einmal nach seiner Utopie zu befragen. Danach, wie er oder sich ein gedeihliches Zusammenleben aller Menschen vorstellen. Und was sie sich unter Herrschaft vorstellen. Das Herrschen von Gottes Gnade treffen wir gerade wieder beim aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten an. Schwebend über allen Gesetzen werden Dekrete unterschrieben, und Gegner, und das sind alle Menschen, die nicht gleicher Meinung sind, werden gnadenlos beleidigt und erniedrigt. Der nächste Schritt zum Ausrotten ist da nicht weit. Im alten China wurden die Herrscher wenigsten als Weise bezeichnet. Und nicht als rüpelhafte Tölpel (obwohl das das Spiegelbild derer ist, die dem Präsidenten die Stimme gaben. Und diese verstehen die Kritik am Präsidenten nicht: „Das ist doch einer von uns, ist doch ersichtlich an seinem Handeln“.

In den Kommentaren zum I Ging (auch hier wieder in der Übersetzung von Richard Wilhelm) heißt es. „Die heiligen Weisen von alters machten das Buch der Wandlungen also: Um in geheimnisvoller Weise den lichten Göttern zu helfen, erfanden sie das Schafgarbenorakel. Sie teilten dem Himmel die Zahl drei zu und der Erde die Zahl zwei und berechneten danach die weiteren Zahlen.

Sie betrachteten die Veränderung im Dunkeln und Lichten und stellten danach die Zeichen fest, Sie erzeugten Bewegungen im Festen und Weichen und ließen so die einzelnen Linien entstehen. Sie brachten sich in Übereinstimmung mit SINN (Tao) und Leben (Te) und stellten demgemäß die Ordnung des Rechten auf. Indem sie die Ordnung der Außenwelt bis zu Ende durchdachten und das Gesetz des eignen Innern bis zum tiefsten Kern verfolgten, gelangten sie zum Verständnis des Schicksals.


Zurück zu dem von mir gezogenen Hexagramm: „Sechs auf viertem Platz bedeutet:

Reue schwindet.
Auf der Jagd fangt man drei Arten von Wild.

Wenn man angeborene Bescheidenheit infolge der verantwortungsvollen Stelle, die man bekleidet, und der Erfahrungen, die man gesammelt hat, mit energischer Betätigung verbindet, so erreicht man sicher einen großen Erfolg. Die drei Arten von Tieren dienten zu Opfern für die Götter, zur Bewirtung der Gäste und zum täglichen Gebrauch. Wenn man für alle drei Zwecke etwas erlegte, so war das Jagdergebnis besonders gut


Ich erklärte meinem Freund, dem Sinologen, dass ich das I Ging nicht im klassischen Sinn als Orakelbuch nutze, sondern versuche, damit die Zeitqualität zu ergründen, die sich für die nächsten Ereignisse vor mir ausbreitet. Ich habe dann bis zu dem nächsten Zeitpunkt, an dem ich wieder zu meinen Schafgarbenstängeln greife, einiges zum Nachsinnen. Die „Sechs auf dem vierten Platz“ ist ja durchaus eine positive Wertung der Zeitqualität. Auch wenn ich nicht jage. Ich bin eher der Sammler. Gut, dann werde ich demnächst noch einen Kräuterbuschen sammeln (wir befinden uns ja noch im Frauendreißiger*) als Opfer für die dreigestaltige Göttin, für die Bewirtung der Gäste hoffe ich Steinpilze in ausreichenden Mengen zu finden und für den täglichen Gebrauch sammle ich die Früchte, welche gerade anstehen: Zwetschgen, Äpfel, Birnen. Auch ein Vorrat anzulegen gehört dazu. So hoffe ich, dass mein Sammelergebnis besonders gut wird. Und dazu passt nun auch, dass an dem Tag, als ich das gezogen hatte ein Vollmond am Himmel stand, welcher "Erntemond" genannt wird. 


*Zum Frauendreißiger: Das heutige Datum liegt in den Tagen der so genannten Frauendreißiger, die vor allen in katholischen Gegenden traditionell ihren Stellenwert hatten. Das sind dreißig Tage, beginnend am Vorabend des 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt und endend am 15. September, dem Gedenktag der Schmerzen Mariens. In dieser Phase sollen die gesammelten Heilpflanzen besonders wirksam sein. In diesen Tagen wurde auch der Dreißigerstrauß gesammelt, der am 8. September, dem Fest der Mariä Geburt, geweiht wurde.

In den Dreißigerstrauß wurden, je nach Region, meistens sieben oder neun verschiedene Kräuter gebunden. Auch andere Zahlen waren möglich, doch diese beiden waren die häufigsten. Zu den oft verwendeten Kräutern in diesem Strauß zählten: Beifuß, Baldrian, Rainfarn, Schafgarbe, Himbeerlaub, Farnkräuter, Thymian (Quendel), Gundermann, Mutterkraut, Johanniskraut, Goldrute, Dost, Eisenkraut, Königskerze, aber auch Gartenkräuter wie Liebstöckel und Dill. Meistens bildete eine hohe, blühende Königskerze die Mitte des Straußes.

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