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Mittwoch, 19. August 2026

Deutungen 3. und 4. August 26

 


Es ist schon ein bisschen merkwürdig mit dem Einstellen der Texte immer einige Tage hinterher zu sein. Ich stelle heute einmal zwei ein, die nächsten Tage wohl auch mal noch mehr, um wieder Anschluss zu bekommen. Denn auch das Einstellen in Echtzeit hat seine Reize. Tagesenergie. 




3. August

Gestern hatte ich meine 50 Schafgarbenstengel zusammen bekommen. Es fehlten noch zwanzig Stück, und ich war spontan hinaus, die restlichen zu sammeln. Die trocknen jetzt in meiner Klause vor sich hin, die anderen dreißig können schon entblättert werden. Die getrockneten Blüten sind für Kräutertee vorgesehen.

Wenn alle Stengel vorbereitet sind, also getrocknet und auf die richtige Länge geschnitten, so um die zwanzig Zentimeter, dann kann ich damit beginnen, mit ihrer Hilfe das I-Ging-Orakel auszuzählen. Sicher, es gibt auch getrocknete Stengel zu kaufen, so um die zwanzig Euro macht das, doch da verstehe ich das Prinzip nicht dahinter. Warum muss etwas gekauft werden, das für etwas so persönliches wie ein Orakel verwendet wird? Schafgarbe ist ja nun wirklich kein seltenes Kraut. Und ich bekomme eine Beziehung zu meinem verwendeten Werkzeug. Einige sammelte ich bei meinen Morgengängen zurück von der Backstube, eine Anzahl schnitt ich, als ich mit dem kleinen Mann, der mich Opa nennt, vom Pilze suchen zurück kam; den Rest sammelte ich gestern. Zum Schneiden verwendete ich meine Baumschulhippe mit dem Walnussholzgriff, die mich schon seit über dreißig Jahren begleitet auf meinen Kräutersammeltouren. Das alles sind die kleinen Details und Erinnerungen, welche meine Stengel persönlich und einzig machen.

4. August

„Der Lähmung begegnen“ - Wenn es nicht so richtig voran geht, und sich in einem noch etwas sträubt, in das Handeln zu kommen. Da gibt es bestimmt einige Möglichkeiten. Die beste aber ist es nicht, sich selbst zu kasteien und versuchen „den inneren Schweinehund“ zu „überwinden“. Denn der möchte sich zurück ziehen und hat seine Gründe dafür. So macht es Sinn, dem Drang des Zurückziehens nachzugeben und in dem geschützten Raum der heimischen Klause darüber nachzudenken, was das Widerstreben ausmacht. Da ist zum Beispiel ein unliebsames Klärungsgespräch, welches ansteht, noch dazu am heutigen Tag, und das schon im Vorfeld viel Energie bindet. Da wird hin- und hergedacht, abgewägt, geschaut auf die Formulierungen, welche zu wählen sind, dass nicht erneut Missverständnisse im Raum stehen bleiben, zu schauen, wie deutlich ausgesprochen werden darf, ohne beleidigend zu werden.

Das läuft unter sozialer Interaktion, und man tut gut daran, sich hier die Zeit zu nehmen, welche erforderlich ist, auch um die Seele zu glätten, auch, um nicht erneut in die Falle zu laufen, die einfach nur Streit und weitere Energiebindung bedeutet. Einen Abschluss finden, ohne zu desavouieren und ohne erneut desavouiert zu werden. Und: versuchen, eine Kompromisslösung anzubieten.

Das wäre nicht weiter kompliziert, wenn man mit der Person nicht weiter in Verbindung stehen würde, ja, sogar an einem Projekt weiter zusammen arbeitet. Dann ließe sich einfach sagen: „Dammich noch mal! Verpiss dich einfach aus meinem Leben!“ Und Ruhe ist. Doch so simpel ist das nicht. Dass die andere Person keine Vorstellung davon hat, wieviel Energie sie mit ihrem Verhalten bindet, macht die Sache nicht einfacher. Da ist leider nicht die Möglichkeit, offen und geradeaus zu sagen, was gedacht wird. Alles was gesagt wird kann zu einem Schwanz erneuter Diskussionen, energiebindender weiterer Erklärungen und so weiter führen, bis hin zur Endlosschleife. Das gilt es zu vermeiden. Denn, wie oben geschrieben, die Energie wird zur Bearbeitung anderer Vorhaben gebraucht.

Da flammt kurz der Gedanke auf, wie es sich wohl anfühlt mit dem jetzigen amerikanischen Präsidenten in Verhandlung gehen zu müssen. Das fühlt sich garantiert genauso an, nur sind da die Auswirkungen des Gesprächsausganges einige Dimensionen größer. Doch das Prinzip ist das Gleiche: Jemand nimmt für sich das Recht heraus, über alle Grenzen des Gegenüber hinaus zu gehen, zu unterstellen, zu beleidigen, und dabei noch resistent gegen alle Ausgleichsbemühungen zu sein. Schwierig.

Vorgestern hatte ich ja die letzten zwanzig der fünfzig Schafgarbenstengel für das I-ging-Orakel zusammen bekommen. Die müssen noch trocknen, dann kann ich daran gehen, sie zu bearbeiten. Es ist mein Ziel, vor wichtigen Gesprächen, so wie heute eines anliegt, und vor wichtigen Entscheidungen das I ging zu befragen. Nicht, dass ich annehme, damit würde mir eine Entscheidung abgenommen, von einer sozusagen höheren Macht. Eher ziele ich ab auf das Innehalten. Schon das Auszählen der sechs Linien mittels der Schafgarbenstengel braucht seine Zeit. Dann kommt noch das Sinnieren über den oder die Texte zu den gezogenen Linien hinzu. Der gesamte Vorgang entschleunigt, unter einer halben Stunde ist da nichts zu machen. Und das ist gut so. Das Orakel mittels Münzen zu befragen, als ein Beispiel, wäre eine Instantbefragung, und ist für das Einschwingen in die tieferen Seelengründe nicht geeignet. Doch so naiv, zu glauben, dass das I ging einfach antwortet, bin ich nicht. Ich gewinne Zeit und Muße und Worte von außen, die zielführend sein können, wenn ich mich auf eine Lösung einlassen möchte.

Eine weitere Möglichkeit der Erdung wäre, bestimmte Ecken und unaufgeräumte Stellen in der Klause aufzuräumen, sich wieder einmal den neu angesammelten Spinnweben annehmen, die Tischdecke wechseln und ähnliches, „clean the room“, vielleicht etwas Musik dazu laufen lassen. Das schafft zwar nicht das Anstehende vom Tisch, hilft aber auch, die Seele zu klären. Also los. . .



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