24. August
Ich bin nicht die Anlaufstelle, um Absolution zu erteilen. Wer etwas in meinen Augen Unverzeihliches getan hat, der und dem möchte ich die Tat nicht verzeihen. Wie oder wann etwas abzubüßen wäre, muss jede und jeder für sich selber entscheiden, und auch die Art der Buße. Ich bin weder Ankläger noch Richter. Das meiste an „Fehltritten“ vermag ich als lässlich verzeihen. Sowohl mir als auch anderen. „Es gibt keine Schuld, nur Ursachen“, sagt meine Liebste gerne. Ich selber möchte es eher so formulieren: „Es gibt keine Schuld, sondern nur Situationen“. Doch wie viele möchten eher bemuttert und nicht versöhnt sein. Echte Reue akzeptiere ich, und kein Reuiger soll aus einer Gemeinschaft verstoßen werden. Doch mit dem Unverzeihlichen sollte jede und jeder selbst klarkommen. Allenfalls gibt es da noch die christliche Kirche als Anlaufstelle für Absolution. Inwieweit das mit der eigenen Glaubenswilligkeit einher geht, sollte jede ud jeder für sich selbst entscheiden.
Etwas ganz anderes, ein Tagesfund, heute gelesen: "Regionale Politik findet nicht in Washington, Moskau oder in anderen ›Regierungssitzen‹ statt. Regionale Macht ›sitzt‹ nicht. Sie fließt überall und überallhin. Durch Wasserscheiden und Blutströme. Durch Nervensysteme und Nahrungsketten. Die Regionen sind überall & nirgends. Wir sind alle illegal. Wir sind Eingeborene, und wir sind ruhelos; wir besitzen kein Land, wir leben in ihm." (Gary Snyder, Lektionen der Wildnis, 2012)
Kleiner Ansporn für mich, wo ich gerade dabei bin, mich in die Lokalpolitik einzumischen.
25. August
„Ankräutern“, mein neuer Begriff in meiner Essperimenteküche*. Damit meine ich, verschiedene Kräuter zu Gerichten verabreichen, die geschmacklich unterstützen ohne zu dominieren. Am elegantesten ist es, wenn sie als kaum wahrnehmbare Nuance fungieren. Heute wieder einmal ausprobiert, indem ich etwas Lavendelsirup an die Pflaumenmarmelade getan habe. Die Idee kam mir vorgestern, als ich die leckeren sanftsüßen Pflaumen frisch vom Baume aß. Irgendwie stellte sich bei mir die Idee „Lavendel dazu“ ein, und ich fand das eigentlich sehr sinnig und spannend. Also habe ich es kurzerhand gemacht. Wirklich nur so wenig, dass er kaum wahrnehmbar ist in der fertigen Marmelade, und doch gibt er ein leicht wahrnehmbares Hintergrundaroma. Gefällt mir. Ich habe schon häufiger Versuche in diese Richtung gestartet, wie zum Beispiel eine pikante Waldmeistersuppe auf der Basis von Hühnerbrühe und Weißwein.
*“Essperimente“ nannte eine junge Dame aus dem Kinderkochclub, den ich damals leitete unsere Versuche, Schmackhaftes herzustellen. Die Kinder waren im Grundschulalter, und wir hatten viel zusammen ausprobiert. Das Foto zeigt Gummibären, die ich letztes Jahr mit zwei Kindern hier im Ort aus Waldmeistersirup hergestellt hatten. Warum sie so rot sind? Ich beschrieb es so: „Eigentlich wollten wir Gundermanngummibärchen herstellen, doch dann wurden es Waldmeistergummibärchen. Gummibärchen mussten sein, denn das hatte ich dem kleinen Mann, der mich Opa nennt, versprochen. Ein Glas unseres selbst hergestellten Waldmeistersirups hatte nicht richtig geschlossen, und dessen Inhalt verwendeten wir. Auf 150 ml Sirup, den wir aufkochten gaben wir 5 g Agar Agar hinzu, und, da uns die Farbe des Sirups etwas blass erschien auch noch einen Schwapp Rote-Bete-Saft. Noch einmal aufkochen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen, und in die eingeölten Silikonformen geben. So erhielten wir nach dem Festwerden Gummibärchen, die knallrot waren, doch „grün“, eben nach Waldmeister, schmeckten.“ Es gibt Dinge, die scheinen anders, als sie sind. Lehren fürs Leben.
26. August
Flow - Wie funktioniert das? Letzte Woche hatte ich Plakate drucken lassen für unsere Septemberveranstaltung. Eigentlich hatte ich vor, die ersten schon in Moringen zum Aushang zu verteilen. In der Apotheke war das Fenster voll, gar nicht erst hinein gegangen, im Supermarkt quoll das Aushangbrett über, gar nicht erst daran gedacht. Am Montag war ich Einkaufen in Moringen, hatte aber keine Plakate dabei. Doch gesehen, dass im Fenster der Apotheke wieder Platz war. Heute dann beim einkaufen welche dabei, und heute klappte alles wie am Schnürchen, eines in der Apotheke losgeworden, eines im Zigarettenladen, wo auch gerade wieder Platz frei war, eines am Aushangbrett im Supermarkt, dort in Poleposition. Es klappte heute einfach, und das war erfreulich. Manches lässt sich nicht erzwingen.
Als ich noch in einem Dorf in der Nähe von Bremerhaven wohnte, und mal wieder wenig Geld hatte, zu wenig, um auf den Swutsch nach Bremen mit dem Zug zu fahren, dachte ich daran, mich wenigstens in Bremerhaven an den Weserdeich zu setzen, auch in der berechtigten Hoffnung, dort ein paar Bekannten zu begegnen, und einer bekannten Rockband zu lauschen, die vom Deich aus hörbar ein Konzert gab. Zwar nicht ganz so meine Musik, aber die Aussicht auf Gesellschaft. Meine Lieblingsdisco in Bremen leider unerreichbar wegen Ebbe in der Kasse.
Ich schnappte mir mein Fahrrad, und machte mich auf den Weg nach Bremerhaven. Schon kurz nach dem Ortsausgang musste ich anhalten, denn auf dem Grünstreifen war ein 10-DM-Schein zu finden (so lange ist das schon her!). Das besserte meine Laune erheblich, denn es versprach die Aussicht auf ein paar Bier. So etwa fünfzig Meter weiter, wieder rechts auf dem Grünstreifen, lag dann ein 20-DM-Schein. Ich selbstverständlich wieder runter vom Fahrrad, und auch den mit genommen. Dann bin ich noch einmal ein paar Meter weiter gekommen, bis ich wieder anhalten musste. Denn nun lag da ein 50-DM-Schein. Da dachte ich mir, nachdem ich auch den eingesteckt hatte, dass das ein gutes Zeichen wäre. Ich wendete mein Fahrrad und die Fahrtrichtung und radelte zum nahegelegenen Bahnhof ein Dorf weiter. Dort fuhr gerade der Zug nach Bremen ein. Ich rein da, damals konnte man noch Fahrkarten bar im Zug lösen, und ich hatte schließlich einen vergnüglichen Abend in meiner Lieblingsdisco, und eine nette Frau lernte ich auch noch kennen.
Obige Geschichte klingt zwar etwas unwahrscheinlich, ist mir trotzdem so passiert. An dem Abend klappte einfach alles. So etwas lässt sich auch nicht planen. Wenn etwas in einem solchen Flow geschieht, sollte man einfach der Göttin (oder wem oder was auch immer) ein dickes Dankeschön senden.
Es geschehen Dinge, die sollen so sein. Keine weitere Erklärung
25. August
„Ankräutern“, mein neuer Begriff in meiner Essperimenteküche*. Damit meine ich, verschiedene Kräuter zu Gerichten verabreichen, die geschmacklich unterstützen ohne zu dominieren. Am elegantesten ist es, wenn sie als kaum wahrnehmbare Nuance fungieren. Heute wieder einmal ausprobiert, indem ich etwas Lavendelsirup an die Pflaumenmarmelade getan habe. Die Idee kam mir vorgestern, als ich die leckeren sanftsüßen Pflaumen frisch vom Baume aß. Irgendwie stellte sich bei mir die Idee „Lavendel dazu“ ein, und ich fand das eigentlich sehr sinnig und spannend. Also habe ich es kurzerhand gemacht. Wirklich nur so wenig, dass er kaum wahrnehmbar ist in der fertigen Marmelade, und doch gibt er ein leicht wahrnehmbares Hintergrundaroma. Gefällt mir. Ich habe schon häufiger Versuche in diese Richtung gestartet, wie zum Beispiel eine pikante Waldmeistersuppe auf der Basis von Hühnerbrühe und Weißwein.
*“Essperimente“ nannte eine junge Dame aus dem Kinderkochclub, den ich damals leitete unsere Versuche, Schmackhaftes herzustellen. Die Kinder waren im Grundschulalter, und wir hatten viel zusammen ausprobiert. Das Foto zeigt Gummibären, die ich letztes Jahr mit zwei Kindern hier im Ort aus Waldmeistersirup hergestellt hatten. Warum sie so rot sind? Ich beschrieb es so: „Eigentlich wollten wir Gundermanngummibärchen herstellen, doch dann wurden es Waldmeistergummibärchen. Gummibärchen mussten sein, denn das hatte ich dem kleinen Mann, der mich Opa nennt, versprochen. Ein Glas unseres selbst hergestellten Waldmeistersirups hatte nicht richtig geschlossen, und dessen Inhalt verwendeten wir. Auf 150 ml Sirup, den wir aufkochten gaben wir 5 g Agar Agar hinzu, und, da uns die Farbe des Sirups etwas blass erschien auch noch einen Schwapp Rote-Bete-Saft. Noch einmal aufkochen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen, und in die eingeölten Silikonformen geben. So erhielten wir nach dem Festwerden Gummibärchen, die knallrot waren, doch „grün“, eben nach Waldmeister, schmeckten.“ Es gibt Dinge, die scheinen anders, als sie sind. Lehren fürs Leben.
26. August
Flow - Wie funktioniert das? Letzte Woche hatte ich Plakate drucken lassen für unsere Septemberveranstaltung. Eigentlich hatte ich vor, die ersten schon in Moringen zum Aushang zu verteilen. In der Apotheke war das Fenster voll, gar nicht erst hinein gegangen, im Supermarkt quoll das Aushangbrett über, gar nicht erst daran gedacht. Am Montag war ich Einkaufen in Moringen, hatte aber keine Plakate dabei. Doch gesehen, dass im Fenster der Apotheke wieder Platz war. Heute dann beim einkaufen welche dabei, und heute klappte alles wie am Schnürchen, eines in der Apotheke losgeworden, eines im Zigarettenladen, wo auch gerade wieder Platz frei war, eines am Aushangbrett im Supermarkt, dort in Poleposition. Es klappte heute einfach, und das war erfreulich. Manches lässt sich nicht erzwingen.
Als ich noch in einem Dorf in der Nähe von Bremerhaven wohnte, und mal wieder wenig Geld hatte, zu wenig, um auf den Swutsch nach Bremen mit dem Zug zu fahren, dachte ich daran, mich wenigstens in Bremerhaven an den Weserdeich zu setzen, auch in der berechtigten Hoffnung, dort ein paar Bekannten zu begegnen, und einer bekannten Rockband zu lauschen, die vom Deich aus hörbar ein Konzert gab. Zwar nicht ganz so meine Musik, aber die Aussicht auf Gesellschaft. Meine Lieblingsdisco in Bremen leider unerreichbar wegen Ebbe in der Kasse.
Ich schnappte mir mein Fahrrad, und machte mich auf den Weg nach Bremerhaven. Schon kurz nach dem Ortsausgang musste ich anhalten, denn auf dem Grünstreifen war ein 10-DM-Schein zu finden (so lange ist das schon her!). Das besserte meine Laune erheblich, denn es versprach die Aussicht auf ein paar Bier. So etwa fünfzig Meter weiter, wieder rechts auf dem Grünstreifen, lag dann ein 20-DM-Schein. Ich selbstverständlich wieder runter vom Fahrrad, und auch den mit genommen. Dann bin ich noch einmal ein paar Meter weiter gekommen, bis ich wieder anhalten musste. Denn nun lag da ein 50-DM-Schein. Da dachte ich mir, nachdem ich auch den eingesteckt hatte, dass das ein gutes Zeichen wäre. Ich wendete mein Fahrrad und die Fahrtrichtung und radelte zum nahegelegenen Bahnhof ein Dorf weiter. Dort fuhr gerade der Zug nach Bremen ein. Ich rein da, damals konnte man noch Fahrkarten bar im Zug lösen, und ich hatte schließlich einen vergnüglichen Abend in meiner Lieblingsdisco, und eine nette Frau lernte ich auch noch kennen.
Obige Geschichte klingt zwar etwas unwahrscheinlich, ist mir trotzdem so passiert. An dem Abend klappte einfach alles. So etwas lässt sich auch nicht planen. Wenn etwas in einem solchen Flow geschieht, sollte man einfach der Göttin (oder wem oder was auch immer) ein dickes Dankeschön senden.
Es geschehen Dinge, die sollen so sein. Keine weitere Erklärung
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen