Gestern durfte ich zwei sechsjährige Jungen beim Spielen belauschen, so en passant, während ich in der Küche werkelte. Jungs in dem Alter haben oft was für Kämpfe übrig. Wir haben dann in meiner Kindheit mit Stöcken, „Schwertern“, aufeinander eingedroschen, späte, etwas älter, kamen die Feuerwaffen dazu und Pfeil und Bogen, Cowboy und Indianer, Anschleichen, Marterpfahl und davon befreien, inspiriert von Winnetou und Old Shatterhand.
Doch, wie gesagt, davor waren es „Schwerter“. Die beiden Jungs in der Küche spielten auch Kämpfe nach, mit irgendwelchen Figuren, ich glaub Playmobil oder so was, doch da wurde nicht mit Feuerwaffen gekämpft und mit „Schwertern“, sondern es kamen Drohnen und Raketen zum Einsatz.Das eröffnete mir einen Einblick in die neue Zeit, und wie sie von Kindern absorbiert und verarbeitet wird. Ich weiß jetzt nicht, woher sie das Wissen um Drohnen haben, höchstwahrscheinlich von einem Computerspiel, denn an den Konsolen sitzen sie auch schon in diesem Alter.
Im Kinderspiel spiegelt sich die Zeit. Ich erinnere mich, dass meine Schwestern und ich eine Zeit lang ein Lieblingsspiel hatten, und das hieß „Über die Grenze“. Wenn meine Eltern nicht da waren wurde die Küche förmlich auf den Kopf gestellt, Stühle umgedreht, aus denen zusammen mit allen möglichen Gegenständen wie Kissen, Decken und Töpfen ein Parcours gebaut, den es zu absolvieren galt. Dabei musste man auf Wachmänner, Scheinwerfer und Hunde aufpassen, dass man nicht erwischt wurde.
In diesem Spiel spiegelte sich wider, was wir über die Grenze zur DDR wussten und was wir über Flüchtlinge gehört hatten, die diese Grenze zu überwinden suchten. Es gab eine Zeit, da waren Berichte darüber allgegenwärtig und erreichte auch unseren kindlichen Kosmos. Heute also Drohnen und Raketen. Kyiv ist also gar nicht so weit weg von uns, es hat mittlerweile Einlass in unsere Kinderstuben gefunden. Als Zeitgeist.
Edit: Ein Spiel hatten wir auch noch, vom damaligen Zeitgeist beeinflusst, da wurde aus dem Sofa mittels Decken und Kissen eine Raumkapsel und wir flogen zu fremden Welten. Da gab es einiges zu entdecken. Heute möchte ich nicht mehr auf andere Welten, ich weiß aber, wen alles ich gerne dort hin schicken möchte. Mars lässt grüßen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen